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"Die Maus im Hosenbein spür' ich noch"

"Die Maus im Hosenbein spür' ich noch"
Zum Ende dieses Schuljahres geht Elke Lorleberg in den Ruhestand. Das Leben an der Gillbachschule hat sie beinahe zwei Jahrzehnte lang geprägt. FOTO: Anja Tinter
Dormagen. Schulleiterin Elke Lorleberg blickt auf ihre fast 18-jährige Tätigkeit als Chefin der Gillbachgrundschule zurück. Zur Verabschiedung am kommenden Montag haben sich auch der Landrat und die Schulrätin angekündigt.

Wollten Sie immer schon Lehrerin werden?

Elke Lorleberg Das war bei mir eher eine Art natürliche Entwicklung. Ich war in unserer Familie immer die große Schwester, bin aber schon vor meinem Abitur zuhause ausgezogen. Ich habe während des Studiums auch als Kindermädchen gejobbt, hatte also immer schon mit Kindern zu tun. Nach dem ersten Staatsexamen sind wir alle zunächst in die Arbeitslosigkeit entlassen worden, weil es keine freien Stellen gab. Ich habe dann erst eine eigene Familie gegründet. Als mein Staatsexamen dann aber wegen des fehlenden Referendariats zu verfallen drohte, habe ich weiter gemacht.

Was gefällt Ihnen am meisten in Ihrem Beruf?

Lorleberg Die vielen interessanten Begegnungen mit vielen verschiedenen Menschen. Und die Tatsache, dass jeder Tag eine neue Herausforderung ist. Man braucht als Schulleiterin ein sehr hohes Maß an Flexibilität, weil der nächste Tag nie so verläuft, wie ich ihn am Abend vorher eigentlich geplant hatte. Und eigentlich bin ich sehr gut im Planen.

Was hat sich in den vergangenen 18 Jahren an der Schule verändert?

Lorleberg Unglaublich viel. Das fängt schon damit an, dass ich Besuchern früher sagen musste: "Wenn Sie aus dem Ort rausfahren, wundern Sie sich nicht, unsere Schule kommt noch dahinter." Heute liegt die Schule dank der vielen Neubaugebiete schon wieder fast im Ortszentrum. Vor allem aber haben sich mit der Einführung des offenen Ganztags viele Strukturen verändert.

Inwiefern?

Lorleberg Ich bin nach wie vor der Meinung, wir haben die OGS [Offene Ganztagsschule, die Red.] in Rommerskirchen erfunden. Ich erinnere mich gut daran, wie unser damaliger Bürgermeister Albert Glöckner mich anrief und fragte, was ich mir unter "offenem Ganztag" vorstelle. Daraufhin habe ich mich zusammen mit dem damaligen Frixheimer Schulleiter Hans Groneck in den Osterferien hingesetzt und ein Konzept entwickelt. Und ehrlich gesagt hätte ich damals nie geglaubt, dass das Zukunft hat, obwohl es meiner Vision von Schule schon sehr nahe kam. Doch ich bin froh, dass ich mich geirrt habe. Wir haben zuerst mit 51 Kindern angefangen, heute sind von unseren 245 Schülern mit 171 Mädchen und Jungen die weitaus meisten im offenen Ganztag eingebunden.

Welches Erlebnis in Ihrer Zeit in Rommerskirchen bleibt Ihnen am lebhaftesten in Erinnerung?

Lorleberg Ganz klar die Maus in meinem Hosenbein! Das war vor ungefähr sieben Jahren. Ich saß an meinem Schreibtisch und merkte plötzlich, wie sich etwas an meinem Bein bewegte. Ich versuchte es erst mit Ausschütteln, doch das seltsame Gefühl war immer noch da. Als ich heftiger schüttelte, fiel irgendwann eine Maus aus meinem Hosenbein, da habe ich laut aufgeschrien. Daraufhin hat sich die Maus verkrochen und war nicht mehr aufzufinden. Erst mein Kater Max, den ich dann von zuhause in die Schule mitbrachte, hat es geschafft, das Mäuschen und dessen Artgenossen in die ausgelegten Lebendfallen zu scheuchen. Wir haben dann auch das Loch gefunden, wo sie reingekommen waren, und es gestopft. Dieses Gefühl von Fell an meinem Bein kann ich heute noch spüren.

Wie geht es an der Gillbachschule weiter?

Lorleberg Meine Stellvertreterin Bettina Sommer und ich hoffen, dass die Schulleiterstelle spätestens zum 1. Oktober neu besetzt wird. Ich kann nur hoffen, dass meine Nachfolgerin so glücklich und zufrieden an dieser Schule wird wie ich.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE BERND ROSENBAUM

Quelle: NGZ
 
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