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Analyse
Die "neue" CDU - ein schwieriges Gebilde

Dormagen. SPD und CDU wollen eine Große Koalition ausloten. Die Dormagener Christdemokraten haben erfahrene Stützen verloren und müssen sich neu finden. Noch ist unklar, wohin ihr Weg nach dem schlechten Ergebnis bei den Kommunalwahlen im Mai 2014 führen wird. Von Klaus D. Schumilas

Jetzt also Große Koalition! Die Bürgermeister Erik Lierenfeld (SPD) zu seinem Amtsantritt noch kategorisch ausgeschlossen hat; die wegen der zum Teil sehr kontroversen, mitunter hitzigen Debatten zwischen CDU und SPD seit der Kommunalwahl im Mai 2014 auch nicht abzusehen war. Was also ist passiert bei den Christdemokraten, dass sie das Angebot der SPD nicht brüsk zurückgewiesen haben, sondern sich sehr gesprächsbereit zeigen?

Vor zweieinhalb Jahren erlebte die CDU bei der Bürgermeisterwahl ein Debakel und konnte sich auch bei der Kommunalwahl mit gerade einmal 0,5 Prozentpunkten vor der SPD behaupten. Mit ihrem Plan, den unliebsamen Bürgermeister Peter-Olaf Hoffmann als Kandidaten zu verhindern, scheiterten die "Rebellen" intern grandios. Und in der Folgezeit lief es auch nicht besser: Mit Fraktionschef Wiljo Wimmer oder Planungsexperte René Schneider verließen erfahrene Stützen die Fraktion. Die ist seitdem personell runderneuert, unerfahren, unzuverlässig.

Das bekam der ehemalige Fraktionsvorsitzende André Heryschek zu spüren, dem "seine" Fraktion im Frühjahr eine bittere Abstimmungsniederlage im Rat bescherte, die letztlich sein Aus bedeutete. Weil auch die Partei keine Einheit ist und dem talentierten, aber ebenso noch nicht mit allen Politikwassern gewaschenen Heryschek bei dessen Aufstellung zum Landtagskandidaten eine Ohrfeige verpasste.

Apropos Partei: Wer führt die eigentlich? Welche Impulse kommen von dort in Richtung Fraktion als operativem Arm? Auch Kai Weber wurde als Neuling an der Fraktionsspitze in dieser Woche von seiner - positiv formuliert - eigenwilligen Fraktion Grenzen aufgezeigt. Der eigentlich von der CDU selbst initiierte, von der FDP aber eingebrachte Antrag auf Auflösung der Ausschüsse traf plötzlich nicht mehr den Nerv der Mitstreiter. Weil sie, ebenso plötzlich, Zentrumschef Woitzik und dessen Art unmöglich finden. Vergessen wird dabei, dass Zentrum und FDP, also das bürgerliche Lager, verlässliche Abstimmungspartner geblieben sind, auch nach der Aufkündigung des gemeinsamen Bündnisses durch entnervte Liberale (nach Abstimmungschaos in der CDU). Der CDU machte es offenbar auch nichts aus, dass sie dabei von den Stimmen von Alfa und Ein Herz für Dormagen profitierte. Was findet der Bürger, was der Stammwähler derzeit in der CDU? Wenig Glaubwürdigkeit, fehlende Geschlossenheit und in der "GroKo" ein schwieriges Umfeld, um sich mit ureigenen, christdemokratischen Themen zu profilieren. Aber die Arbeit wird praktischer: Die wichtigsten Pflöcke können CDU-Fraktionschef Weber und Bürgermeister Lierenfeld "entre nous" einschlagen - sie sind beide Mitglied im gleichen Karnevalsverein.

Quelle: NGZ
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