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Dormagen
Die Sicht der Kabarettisten von "Onkel Fisch" auf Europa

Dormagen. "Europa - und wenn ja, wie viele?", lautet die Frage, der das Satire-Duo "Onkel Fisch" am Freitag in der "Kulle" in rasantem Tempo nachging. Dabei ließen sich Adrian Engels und Markus Riedinger fast zwei Stunden lang über Europa, die Union und ihre Politiker sowie über die TV-Experten in Politshows - köstlich parodiert unter dem Titel "Hart aber fairpeilt" - aus, die den Bürgern in vermeintlichen Analysen die Welt erklären wollen.

200 Zuschauer verfolgten amüsiert den "öffentlich-rechtlichen Kabarettabend" und dankten es den "Action-Kabarettisten", die sich übrigens nur deshalb "Onkel Fisch" nennen, weil der Name "Spice Girls" schon vergeben war, mit Lachern an der richtigen Stelle und begeistertem Applaus. Sie waren aber auch schick anzusehen in ihren seriösen schwarzen Anzügen - "original Donald-Trump-Streetwear mit eingenähter Labertasche und Lotuseffekt, denn Schmutz und Verstand perlen ab". Doch weniger der US-Präsident stand im Fokus, es ging natürlich um unseren Kontinent. "Europa ist ja nicht gerade ein Verkaufsschlager, eine Katastrophe jagt die nächste, alle hassen sich untereinander", fassten sie zusammen.

In ihrem Programm kramten Adrian Engels und Markus Riedinger - man konnte fast meinen, nicht nur - sprichwörtlich in der europäischen Schmutzwäsche und pointierten geschickt in szenischen Darstellungen, musikalischen Beiträgen und im Dialog miteinander und mit dem Publikum all das, was ihrer Meinung nach gewaltig schiefläuft. Um sich genauestens zu informieren, seien sie sogar nach Brüssel gereist: "40.000 Beamten haben wir für die EU in Brüssel. Im Diplomatenviertel stapeln sie sich wie eine Verwaltungslasagne übereinander - wohingegen allein für Hamburg 60.000 Mitarbeiter in der Verwaltung tätig sind." Vieles gebe es an der Europäischen Union auszusetzen. Geradezu als lächerlich empfinden sie die verschiedenen Verordnungen wie die Gurkenverordnung Nr. 1677/88/EWG zur Festsetzung von Qualitätsnormen für Gurken (1989 bis 2009) oder die, dass Sprungtürme in Schwimmbädern nicht Richtung Sonne zeigen dürfen. Sie beschrieben die EU als "Nation mit Aufschieberitis" und widmeten der "Prokrastie-Nation" sogar ein eigenes Lied, thematisierten die Lügenpresse und zeigten Vorschläge für einen "Europa-Film". Alles in allem ein würdiger letzter Kabarett-Abend für die erste Halbjahresreihe in der Kulturhalle, findet Olaf Moll vom Kulturbüro. Wenige Karten gibt es noch für die Auftritte von Florian Schröder, Christoph Sieber und Thomas Freitag.

(vest)
 
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