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Dormagen
Die Sinnsuche des Chris Stoffels

Dormagen: Die Sinnsuche des Chris Stoffels
Das Verfassen von Texten ist sein Lebenselixier. Früher schrieb Chris Stoffels Artikel und Kommentare für die NGZ, heute liebt er die Prosa und immer wieder - damals wie heute - Lyrik. FOTO: L. Hammer
Dormagen. Drei Jahrzehnte berichtete der Dormagener für die NGZ. Nun schreibt er Schlüsselromane über Sinn- und Liebessuche. Von Ludger Baten

Hörte er ein Martinshorn, rief er den Polizeisprecher an. Sah er ein Blaulicht, jagte er dem Feuerwehrwagen hinterher. Chris Stoffels (63) ist so neugierig, wie ein guter Journalist sein muss. Er war immer auf der Suche nach der guten Geschichte, dabei spürte er auch immer der Geschichte hinter der Geschichte nach. Warum? 30 Jahre berichtete und kommentierte der Sohn einer angesehenen Dormagener Rechtsanwaltsfamilie für unsere Zeitung. Dann diktierte eine Krankheit seinen Rückzug ins Private. Ein Suchender ist er aber auch als Ruheständler geblieben, nur die Fragen und Antwortversuche sind länger geworden. Er schreibt Romane, packende Krimis mit einer psychologischen Dimension. Ein Autor auf Sinn- und Liebessuche - immerfort.

Schreiben ist für ihn Therapie. War es zumindest. Das Schreiben hat ihm geholfen, "mich neu zu erfinden". Sagt er. Krankheit, Operation, Trennung, Sorge um die Familie, Stress im Beruf, den er schließlich aufgeben musste. Da habe er sich auf das besonnen, "was ich kann: Schreiben". Als er seine erste Kurzgeschichte beendet hatte, waren 141 Din-A4-Seiten beschrieben. Sein Erstlingswerk "Hamsterbacken" in der Rohfassung stand. Seine Protagonisten lässt er in einer rheinischen Kulisse auftreten, in einer Mischung aus Realität und Fiktion. Es scheint, er habe eine geradezu kindliche Freude daran, seine Leser - auch die wissenden - an der Nase herumzuführen: Was ist wahr? Was ist seiner Fantasie entsprungen? "Wichtig ist doch nur, dass eine spannende, gut strukturierte und gut geschriebene Geschichte den Leser bis zur letzten Seite das Buch lesen lässt." Dass er als Autor beim Verfassen der Texte so ganz nebenbei Etappen seines Zickzack-Lebens verarbeitet, sei seine ganz persönliche Angelegenheit.

Chris Stoffels wurde am 11. September 1951 in Köln geboren. Sein Vater, der Rechtsanwalt Albert Stoffels, stammt aus der Wesermarsch, war der Liebe wegen ins Rheinland gezogen. Seine Frau Irmgard war Dormagenerin. Im Elternhaus in der Innenstadt wohnt Chris Stoffels heute noch. Er studierte Jura, doch er landete im Journalismus. Er arbeitete als Freier für das Feuilleton des Kölner Stadtanzeigers, ehe er 1981 der Dormagen-Redakteur der NGZ wurde - in Nachfolge von Herbert Baumann. Heinz Ohletzt war damals der Redaktionsleiter. Innerhalb der NGZ-Redaktion wechselte er innerhalb von 30 Jahren mehrmals seine Tätigkeitsfelder. Er war Redakteur in Neuss, Wirtschaftsredakteur, und er ging zurück nach Dormagen, um wieder aus seiner Heimatstadt zu berichten. "Zeitung zu machen, die mit ihren Themen ganz nah bei den Menschen ist, hat mir immer viel Freude gemacht", sagt er heute zurückblickend.

Als Ruheständler begann er Romane zu schreiben. Sechs sind bisher veröffentlicht worden; vier im Eigenverlag, zwei als E-Book bei Amazon-Kindle. "Das Schreiben erfüllt mich mit Lust", sagt Stoffels, "und dass meine Bücher gelesen werden, macht mich stolz und glücklich." Oft wird er gebeten, aus seinen Büchern zu lesen. So war er mehrfach in der Stadtbibliothek und in der Mayerschen Buchhandlung zu hören und zu sehen. Das seien schöne Erlebnisse gewesen.

Die möchte er auch anderen vermitteln, nicht nur seinen Lesern. So engagiert er sich als Vorsitzender des Freundeskreises Raphaelshaus und als Pate von vier syrischen Flüchtlingen, die ihm Freunde geworden seien. "Ich tue nur noch, was sinnvoll ist und mir Freude bereitet." Es scheint, der Suchende ist kein Getriebener mehr.

Quelle: NGZ
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