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Dormagen
Möhren-Bauer zapft tagelang Wasser ab

Ohne Erlaubnis: Möhren-Bauer zapft Wasser aus Brunnen in Dormagen-Gohr ab
Dormagen. Es sieht nach einer Verzweiflungsaktion aus, zu der sich Möhren-Bauer und Großhändler Mario Brocker vor zwei Wochen genötigt sah: Der Willicher brauchte dringend größere Mengen Wasser, um seine Möhren-Ernte vor der großen Hitze zu retten. Deshalb zapfte er reichlich Wasser im Landschaftsschutzgebiet Gohr. Von Klaus D. Schumilas

Dafür hatte er aber offenbar keine Genehmigung vom Rhein-Kreis Neuss. Mit Folgen: Der Leiter des Kreisumweltamtes, Norbert Clever, erklärte, dass ein "ordnungsbehördliches Verfahren" eingeleitet worden sei. Landrat Hans-Jürgen Petrauschke ergänzt: "Das wird genau untersucht. Wenn das Unternehmen keine Genehmigung hatte, dann gibt es ein Ordnungswidrigkeitsverfahren. Aber der Sachverhalt ist noch nicht ausermittelt." Der Möhren-Bauer sieht keine Schuld: "Ich bin davon ausgegangen, dass eine Erlaubnis vorliegt."

Nach Angaben einer Augenzeugin gegenüber unserer Redaktion fuhren rund zehn Tage lang Tag und Nacht große Silo-Lastwagen durch die Felder, um das Brunnenwasser von dort zu einer sieben Hektar großen Parzelle in Rommerskirchen zu befördern, "aber auch Trecker mit Wasser-Anhänger. Sie haben die Wege zum Teil stark beschädigt". Geschäftsführer Mario Brocker spricht demgegenüber von "drei, vier Tagen", in denen die Lastwagen gefahren seien.

Weit ab liegt dieser Brunnen, aus dem größere Wassermengen entnommen worden sind. FOTO: kds

"200 Fahrten in der Zeit"

Wie groß die Wassermenge war, die in dieser Zeit abtransportiert worden ist, kann man nur erahnen. Brocker spricht von einem Fassungsvermögen von zehn bis 15 Kubikmetern (15.000 Liter) der Fahrzeuge. Es gibt aber auch Angaben, die von deutlich größeren Fahrzeugen sprechen, die die doppelte Menge oder mehr aufnehmen können. Die Augenzeugin spricht von "bestimmt 200 Fahrten in der gesamten Zeit". Landrat Petrauschke sagt, dass "in der Regel bei der Erlaubnis die Menge der Entnahme vorgegeben wird".

Der Notfall trat für den Willicher so ein: "Wir haben auf vielen Hektar im Mai neu gesät. Als es einen starken Regentag gab, sprossen die Keime viel zu früh. Wenn dann nicht weiter gegossen wird, dann ist die Ernte vernichtet." Es geht dabei um 50 bis 60 Tonnen Möhren pro Hektar. Es folgten im Juni die heißen Tage, unter die die Landwirtschaft insgesamt sehr zu leiden hatte. "Wir hatten die Genehmigung von der Gemeinde Rommerskirchen, über fünf Standrohre Wasser zu entnehmen", so Brocker.

Doch für die sieben Hektar wurde der Standort des Rohrs stillgelegt, weil er zu nahe an einem Feldweg lag. In der Not wies ein Mitarbeiter auf den alten Brunnen auf Gohrer Seite hin, so erzählt es der Möhren-Bauer. Die Erlaubnis zur Wasserentnahme gab der Landwirt, dem dieser Boden auf Gohrer Seite gehört. Auf die Frage, ob der Brunnen extra für diese Entnahme geschlagen worden sei, antwortete der Kreisumweltamtsleiter Clever: "Könnte sein."

Für Spaziergänger und Radfahrer ärgerlich sind die Spuren auf den Wirtschaftswegen und im Bankett, die die Lastwagen dort hinterlassen haben sollen. Schäden in der Asphaltdecke auf dem Sandweg und dem Bruchwandweg sind sichtbar. "Auch das sehen wir uns an. Gibt es Beschädigungen, müssen die beseitigt werden", so der Landrat.

Quelle: NGZ
 
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