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Wachstum statt Rückgang
Dormagen wächst und wird älter

Wachstum statt Rückgang: Dormagen wächst und wird älter
Dormagen ist im Wandel. FOTO: dpa
Dormagen. Vor vier Jahren drohte ein Rückgang der Bevölkerungszahl auf unter 56.000 Einwohner im Jahr 2025. Jetzt sollen es 10.000 mehr werden. Von Klaus D. Schumilas

Es war eine Zahl, die die Politik aufschreckte und düstere Szenarien auslöste: Dormagen sollte bis zum Jahr 2025 auf eine Einwohnerzahl von unter 56.000 Bewohner sinken. Würde diese demografische Prognose Wirklichkeit, ergäben sich einschneidende Auswirkungen auf die städtische Infrastruktur bis hin zu Schließungen von Kitas. Das war vor vier Jahren. Heute sieht es völlig anders aus. Nach einer aktuellen Modellrechnung wird sich die Bevölkerungszahl von heute 64.601 (Stichtag 30. Juni) bis 2025 auf 66.084 erhöhen. Laut Prognose bleibt die Zahl bis 2030 mit 66.207 Menschen stabil.

"Die Wanderungsbewegungen sind für Dormagen entscheidend", sagt die städtische Demografie-Expertin Kerstin Belitz. 2015 wies der Wanderungssaldo zwischen Zu- und Wegzügen ein Plus von 1391 Menschen aus. Zum Vergleich: 2010 waren es 243. Die aktuelle Zahlen und die Prognosen zeigen auch eines: Dormagen bleibt hinter Neuss die zweigrößte Stadt im Rhein-Kreis, deutlich vor Grevenbroich.

Dormagen liegt in einer Boom-Region. Nach Angaben des Landesamtes für Statistik, IT.NRW, ist Düsseldorf ein gutes Beispiel für die hoch dynamische Entwicklung. Wurde in 2011 für die Landeshauptstadt noch eine Steigerung der Einwohnerzahl auf 623.604 angenommen, so wurde sie drei Jahre später korrigiert auf 662.325 (+38.721) Menschen. Für Köln sieht es ähnlich aus. Dass daraus Chancen für Dormagen und andere Städte im "Speckgürtel" der beiden Metropolen erwachsen, ist längst klar. Die Stadt hat auch längst reagiert, die Teilnahme am Bundeswettbewerb "Zukunftsstadt" ist nur ein Beispiel dafür. In einer Arbeitsgruppe zur demografischen Entwicklung oder durch eine umfangreiche "Wanderungsmotivanalyse" werden Daten und Fakten gesammelt und Schlüsse gezogen, wie sich Dormagen im Wettbewerb um mehr Einwohner (Zuzüge) behaupten kann. "Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und liefern der Politik alle Informationen", sagt Detlev Falke, der wie Belitz dem von Ellen Schönen-Hütten geleiteten Fachbereich Bürger- und Ratsangelegenheiten angehört. Er sagt Erstaunliches: "Baugebiete bringen uns für die Bevölkerungsentwicklung nichts. Das ist dann nur eine Spitze." Er sagt auch: "70.000 Einwohner werden wir nicht erreichen."

Die Rathaus-Experten haben klare Hinweise darauf, welche Themen Zuzugwillige interessieren: eine gute Verkehrsverbindung, also S- oder-Regiobahn in die Metropolen, Wohnen, die Kita-Versorgung, aber auch eine gute soziale Infrastruktur, zu der Nachbarschaft und Vereine gehören, Natur und Erholung. "Das sind Dinge, die wir hier in Dormagen aufweisen können", sagt Schönen-Hütten. Bei einer Fragebogenaktion gaben 33 Prozent der Befragten an, dass ihnen Zusammenleben (also die Gemeinschaft) am wichtigsten sei, gefolgt von Infrastruktur (24 Prozent).

Vor vier Jahren lagen die Bevölkerungsprognosen zwischen den Landesstatistikern und der Stadt noch deutlich auseinander. Heute nicht mehr. IT.NRW geht in einer Langzeit-Prognose, die bis 2040 reicht von einer Bevölkerungszahl von 66.055 Menschen aus und unterstreicht damit die stabile Tendenz für Dormagen in den kommenden Jahrzehnten. Der Flüchtlingsstrom in 2015 hat die Bevölkerungszahl erheblich beeinflusst. Gab es 2010 den Zuzug von 518 Ausländern, so waren es im vergangenen Jahr 2714. Dormagen hat im ersten Halbjahr 237 Einwohner verloren, "das waren Flüchtlinge, die die Stadt wieder verlassen haben", so Belitz.

Quelle: NGZ
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