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Keine Zuschüsse für Dormagen
Wildbrücke nicht gut genug für Ökokonto

Dormagen: WIlsbrücke nicht gut genug für Ökokonto
Auf der L 280 ist es schon oft zu Wildunfällen gekommen. FOTO: dpa, Fredrik von Erichsen
Dormagen. Fachlich ist eine solche Verbindung über die L 280 sinnvoll, aber sie kostet viel Geld und bringt noch nichts für den ökologischen Ausgleich. Von Carina Wernig und Klaus D. Schumilas

Die Landesstraße 280, die zwischen Delhoven und Anstel das Naturschutz- und Waldgebiet Knechstedener Wald zerschneidet, soll durch den Bau einer Wildbrücke nicht mehr länger Todesfalle für Tiere und Unfallrisiko für Autofahrer sein. Dass ein solches Projekt sinnvoll ist, aber auch sehr teuer, darüber sind sich alle Fachleute einig. Ein zweiter, entscheidender Knackpunkt ist, dass eine Wildbrücke nicht für das so genannte Ökokonto zählen würde und es damit keine Zuschüsse für das Projekt geben würde, dessen Kosten die Stadt auf zwei Millionen Euro beziffert.

Wildbrücke lohnt sich noch nicht

"Der heutige Stand sieht diese Anrechnungsfähigkeit nicht vor", sagte Bürgermeister Erik Lierenfeld im Planungsausschuss und wies auf Gespräche mit dem Rhein-Kreis hin. Folge: Eine Finanzierung der Wildbrücke würde sich zurzeit für die Stadt nicht lohnen. Auf Wunsch der Politiker referierte Revierförster Theo Peters zu diesem Thema und sprach von der Wildbrücke als einem "langgehegten Wunsch der Jäger". Denn zeitweise gab es rund 20 Wildunfälle auf der L 280 durch den Knechtstedener Wald, 2017 waren es nur fünf. "Jeder Unfall ist einer zu viel, nicht nur für die Tiere, sondern auch für die Autofahrer, die große Schäden an ihren Wagen, wenn nicht sogar an der Gesundheit zu beklagen haben", sagte Peters. "Schmerz und Leid könnten verhindert werden, wenn das Wild auf anderem Wege die Landstraße überqueren könnte."

Maßnahmen wie eine Temporeduzierung von 100 auf 70 im Wald, ein Entfernen von Sträuchern, so dass das Wild die Autos besser sieht, und blaue Reflektoren an den Straßenpfosten, die vor sechs Jahren von der Kreisjägerschaft und Waldbesitzern selbst finanziert wurden und das Wild im Wald halten sollen, haben zur erhöhten Sicherheit beigetragen. "Ein Überholverbot konnten wir leider nicht durchsetzen", sagte Peters. "Wir haben immer noch Wildunfälle, da die L 280 den Wildwechsel von Mühlenbusch, Knechtstedener Wald und Chorbusch durchschneidet. Da wäre eine Unterquerung der L 280 entlang des Knechtstedener Grabens eine gute Lösung."

Peters stellte die Planung mit einer fünf Meter hohen und 15 Meter breiten Unterführung vor, durch die neben dem Wild auch Spitzmäuse und Amphibien laufen und kriechen könnten. Ein Zaun entlang der bewaldeten L 280 soll die Rehe davon abhalten, an anderer Stelle über die Straße zu laufen. Zudem müsste die Landstraße erhöht werden. Größere Projekte in der Eifel hätten drei Millionen Euro gekostet, wobei das Land dort einen Großteil übernommen hätte, hier seien es laut Revierförster "vielleicht eine Million Euro". Die Stadt hält zwei Millionen für realistisch.

Für Peters wäre es ideal, wenn die Stadt für künftige Bauprojekte, für die sie verpflichtet ist, Ausgleichsflächen zu kaufen und zu bepflanzen, eben über ein Ökokonto diesen Ausgleich nachweisen könnte: "Eine Wildbrücke ist auf ein Ökokonto anrechenbar - und damit müsste die Stadt keine weiteren Grundstück erwerben und bepflanzen." Der Ausschuss beauftragte die Stadt einstimmig, weitere Gespräche mit dem Kreis zu führen, um die Anrechenbarkeit genauer zu prüfen.

Quelle: NGZ
 
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