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Dormagen
Dormagens Natur - exotisch wie der Dschungel

Dormagen: Dormagens Natur - exotisch wie der Dschungel
Der Große Wiesenknopf (Sangusorba officinalis) ist mit seiner dunkelroten Farbe ein Hingucker und auf den Wiesen sehr leicht zu entdecken. FOTO: Michael Stevens
Dormagen. In Dormagen gedeihen viele Pflanzen- und Tierarten, die es in anderen Regionen kaum noch gibt. Zum Beispiel die Raubwanze. Von Franziska Gräfe

Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus - und wer beim Frühlingsausflug genauer hinschaut, kann am Wegesrand so manch seltene Pflanzen- oder Tierart entdecken, deren Name zuweilen Schmunzeln lässt. Der Zottige Klappertopf etwa und die Kleine Wiesenraute gedeihen in Dormagen. "Wir sind im Süden des Kreises regelrecht gesegnet", schwärmt Norbert Grimbach.

Der Zonser Biologe macht bei seinen Erkundungstouren durch die Wälder und Wiesen im Stadtgebiet immer wieder eine erfreuliche, weil seltene Entdeckung. Entlang der Aldenhovenstraße erspähte er die zart rosafarbene Heidenelke. Sie gilt in acht Bundesländern als ausgerottet, weiß Grimbach, und er strahlt förmlich, als er von seinem Fund berichtet: "Das ist doch mal ein Lichtblick." Grimbach freut sich über leuchtende Salbeiwiesen im Grind, hat auf dem Rheindeich gelben Sommerwurz entdeckt und zwischen Zons und Rheinfeld sogar den "unheimlich seltenen" kleinen und großen Wiesenknopf gesichtet. Trotz solcher Glückserlebnisse treiben den Biolehrer im Ruhestand und leidenschaftlichen Naturschützer Sorgen um. Die intensive landwirtschaftliche Nutzung schränke den Lebensraum für Fauna und Flora zunehmend ein. "Feldränder werden weggenommen, Felder mit Planen und Folien abgedeckt, dort wird doch nie mehr ein Kiebitz brüten", sagt Grimbach. Auch die starke Bedüngung der Felder sieht er kritisch: "Pflanzen, die magere, also nähr- und stickstoffarme Böden brauchen, sind dadurch gefährdet."

Die Wiesen-Schlüsselblume ist die "Blume des Jahres 2016". FOTO: T. Braun

Ein solcher Magerboden findet sich im FFH-Gebiet "Wahler Berg", einer Binnendüne südlich der Zonser Heide, wo die kurzflügelige Raubwanze lebt. Ein ganzer Clan gedeiht dort, über 500 Exemplare, dabei ist die Wanze, die sich von anderen Insekten nährt, in Nordrhein-Westfalen sonst kaum nachgewiesen. Sie teilt sich den Wahler Berg unter anderem mit dem rotleibigen Grashüpfer, der ansonsten in NRW noch über die Wahner Heide und den Truppenübungsplatz Senne bei Paderborn springt. Beides sind sehr seltene Arten, mit denen sich Michael Stevens von der Biologischen Station des Kreises beschäftigt. Weitere haben ihren Lebensraum in direkter Nähe seines Büros, das auf dem Gelände des Klosters Knechtsteden liegt. "Wir konnten hier den Springfrosch nachweisen, der über zwei Meter weite Sätze macht", sagt Stevens. Die Ringelnatter sei dort heimisch, auch der Mittelspecht, zu erkennen an zwei Merkmalen: "Sehr ruffreudig und mit einer verwaschenen roten Hose." Jede neu entdeckte seltene Art wird von den Mitarbeitern der Biologischen Station notiert, gemeldet und findet Eingang in die entsprechenden Karten zur Verbreitung der Art. "Wir wollen nicht nur nachweisen, sondern auch Populationen steuern und erhalten." Deshalb wird die kurzflügelige Raubwanze jetzt umgesiedelt. Ganze Soden werden am Wahler Berg aus dem Boden herausgestochen und zum Naturschutzgebiet Balgheimer See gebracht.

Quelle: NGZ
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