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Pfarrer Frank Picht
Eine Pfingst-Premiere in der Christuskirche

Dormagen. Herr Picht, das Pfingstfest steht vor der Tür, und an beiden Feiertagen wird in der Christuskirche an der Ostpreußenallee jeweils um 10 Uhr Konfirmation gefeiert. Ist das in Ihrer Gemeinde so üblich?

Picht Nein, das ist eine Premiere. Bisher wurde die Konfirmation bei uns um Ostern herum gefeiert, am Palmsonntag zum Beispiel oder auch an den zwei Sonntagen nach Ostern.

Warum dann diese Neuerung?

Picht Das hat damit zu tun, dass wir in unseren Gemeinden in Dormagen-Mitte, Rheinfeld und Horrem vom zwei- auf einen einjährigen Konfirmandenunterricht umgestellt haben. Dadurch ist natürlich weniger Zeit. Durch die Konfirmationen an Pfingsten gewinnen wir wieder ein paar Wochen hinzu. Außerdem passen die beiden Feste gut zusammen. Pfingsten wird ja auch als Gründungszeit der Kirche betrachtet, durch die die Gemeinden entstanden sind. Bei der Konfirmation führen wir Gemeindeglieder als mündige Christen ein. Die Geschichte geht also weiter.

Wieviele Konfirmanden sind es in diesem Jahr in der Christuskirche?

Picht Am Pfingstsonntag sind es 25, am Pfingstmontag 15.

Bekommen sie ein Geschenk zur Erinnerung an diesen besonderen Tag?

Picht Eine Urkunde. Eine weitere Erinnerung haben alle selbst angefertigt: Jeder Konfirmand konnte für sich eine individuelle Kerze gestalten. Manche haben sich damit viel Mühe gemacht.

Verglichen mit Weihnachten und Ostern ist Pfingsten ein relativ unpopuläres Fest. Selbst praktizierende Christen tun sich mit der Bedeutung schwer...

Picht Vor ein paar Jahren war ich mit einer Flüchtlingsfamilie beim Amtsgericht, der Richter klopfte der Familie auf den Busch und fragte deren Wissen über christliche Inhalte ab. Er merkte dann an, dass die Flüchtlinge ja angeblich Christen seien, aber nicht wüssten, was Pfingsten bedeutet. Ich habe den Richter dann gefragt, dass das auf der Düsseldorfer Kö bei einer Umfrage unter Einheimischen wohl nicht viel anders sein würde...

Welche Konsequenzen ziehen Sie daraus?

Picht Man muss Pfingsten sprachlich immer neu fassen und in die Gegenwart übersetzen. Mit der Formulierung "Ausgießung oder Aussendung des Heiligen Geistes" können viele Menschen heute nicht mehr viel anfangen, das muss man mit einfachen Worten erklären, auch Einheimischen.

Und wie machen Sie das?

Picht Ich erinnere daran, dass die Jünger damals Mut gefasst haben, sich nicht mehr eingesperrt und versteckt haben, sondern nach draußen gegangen sind und die Frohe Botschaft verkündet haben. Um diesen Mut geht es auch heute noch.

Was halten Sie von Forderungen, den Pfingstmontag zu streichen?

Picht (schmunzelt) Am Pfingstmontag feiern wir evangelischen Christen in Dormagen mit den Katholiken eine gemeinsame Vesper, diesmal ab 18 Uhr in St. Michael. Es wäre doch schade, wenn das künftig wegfiele.

Quelle: NGZ
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