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Dormagen
Einzelhandel fordert weniger Flohmärkte

Dormagen: Einzelhandel fordert weniger Flohmärkte
Bei vielen Menschen sind die Floh- und Trödelmärkte beliebt, unabhängig davon, ob Neuware oder klassischer Trödel feil geboten wird. Dem Einzelhandel sind die monatlichen Neuwaren-Märkte ein Dorn im Auge. FOTO: Tim Brakemeier
Dormagen. Gemeinsam wenden sich die Interessengemeinschaft Top West und die City-Offensive der Innenstadt gegen die Flohmärkte auf dem Parkplatz des Hit-Marktes. Argument: Sie schöpfen Kaufkraft ab und schaden dem Einzelhandel. Von Klaus D. Schumilas

Am kommenden Sonntag ist es wieder soweit: Dann füllen Händler den Parkplatz vor dem Hit-Markt und offerieren ihre Waren. Dabei geht es dann weniger um gebrauchte Hosen und Jacken oder Spielzeug der inzwischen großen Kinder. "80 Prozent des Angebots ist Neuware", sagt Michaela Jonas, scheidende Vorsitzende der Werbegemeinschaft City-Offensive Dormagen (CiDo). Weil dadurch der stationäre Einzelhandel geschädigt werde, beantragt die CiDo bei der Stadt, dass künftig nur noch sechs statt wie bisher zwölf Flohmärkte im Gewerbegebiet Top West genehmigt werden.

Die CiDo unterstützt damit einen Antrag der Interessengemeinschaft (IG) Top West. Auf deren Mitgliederversammlung wurde ein eben solcher Vorstoß an die Stadt beschlossen (der bei der Stadt noch nicht vorliegt). Die Argumentation der beiden Interessenvereinigungen ist die gleiche: Durch diese Flohmärkte am Hit-Markt wird erhebliche Kaufkraft abgeschöpft, die der Einzelhandel benötigt, um in den wirtschaftlich schwierigen Zeiten den Verdrängungswettbewerb durch den Onlinehandel bestehen zu können, sagt Jonas. "Wir sehen in der Genehmigung von zwölf Flohmärkten auch eine große Ungleichbehandlung, was den verkaufsoffenen Sonntag betrifft." Für die CiDo ist unverständlich, dass die regulären verkaufsoffenen Sonntage im Stadtgebiet jeweils nur fünf Stunden genehmigt werden, die Flohmärkte für sieben Stunden.

Die Norbert Junge GmbH aus Baesweiler betreibt seit Jahrzehnten den Flohmarkt in Top West. Auf Anfrage unserer Redaktion heißt es aus dem Unternehmen: "Eine Reduzierung der Trödelmärkte wäre nicht nur völlig deplatziert und rechtswidrig, sondern sogar ein Schuss in den Ofen." Zwar sei die Diskussion über den Verlust oder die Verlagerung der Kaufkraft zeitgemäß und begründet. "Auch unsere Aussteller stellen dies fest", heißt es in dem zweiseitigen Antwortschreiben. "Nur suchen wir nicht den Fehler im stationären Einzelhandel, sondern wissen sehr wohl, dass dieser Druck über den explosionsartigen Anstieg des Online-Handels zu rechtfertigen ist. Nur weil der Kampf gegen Amazon, Ebay und Konsorten als aussichtslos eingestuft wird, wollen wir nicht als Lückenbüßer dienen." Der Märkte-Veranstalter sieht es auch so: "Trödelmärkte genießen einen hohen Stellenwert als Freizeitgestaltung der Leute. Der Einkauf ist eher ein Nebeneffekt."

Besitzer der Flohmarktfläche ist die Hit-Handelsgruppe in Siegburg. Der Leiter des Dormagener Marktes, Thomas Dümmer, reagiert gelassen: "Wenn es uns seit 30 Jahren massiv stören würde, hätten wir wohl etwas unternommen." Die Genehmigung für die Flohmärkte erteilt die Stadt. Erster Beigeordneter Robert Krumbein nennt einen Unterschied: "Die Spezial- und Jahrmärkte werden nach der Gewerbeordnung genehmigt. Dort ist der Ermessensspielraum eingeschränkt. Der Sonntagsschutz spielt keine Rolle. Wir wünschen uns von der neuen Landesregierung mehr Steuerungsmöglichkeiten bei der Ladenöffnung."

Quelle: NGZ
 
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