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Dormagen
Er ist wieder da - und wie!

Dormagen. Westfälisches Landestheater zeigt den Bestseller von Timur Vermes im BvA. Von Vera Straub-Roeben

Berlin im 21. Jahrhundert: Ein Mann mit unverkennbarem Oberlippenbart wacht auf - Adolf Hitler. "Er ist wieder da", so lautet der Titel des Stückes des Westfälischen Landestheaters, das Gert Becker auf Basis des gleichnamigen Bestsellers von Timur Vermes für die Bühne inszeniert hat. Rund 450 Zuschauer in der BvA-Aula beobachten gespannt und teils beschämt amüsiert das Erwachen des einstigen Führers und seine Entwicklung.

Er ist also wieder da, ohne Krieg, ohne Partei, ohne Eva und ohne Führerbunker. Stattdessen wird er mit Millionen Ausländern und Angela Merkel konfrontiert. Mehr als 60 Jahre nach seinem vermeintlichen Ende strandet Hitler in der Gegenwart, stiftet größte Verwirrung und versteht selbst am allerwenigsten, warum. Die Inszenierung sieht zwei Hitler-Figuren vor: Hitler 1, den handelnden Führer, brillant und authentisch verkörpert von Guido Thurk, und Hitler 2, den gemäßigten Erzähler, nicht minder beeindruckend dargestellt von Burghard Braun.

Der nun heimatlose Führer kommt in einem Kiosk unter, dessen engagierter Besitzer sofort seine Medienwirksamkeit wittert und ihn mit den Verantwortlichen für eine TV-Produktionsfirma bekannt macht. Alle glauben, sein Auftreten sei ein großer Scherz, er sei Stromberg oder "der von Switch", die den einstigen Führer gerne parodieren. Er wird gefragt, wo er auftritt, ob er ein Programm hat, ob er noch andere Rollen kann. Alle halten ihn für einen Schauspieler, der seine Rolle mit unglaublicher Konsequenz durchzieht. Er wird vom Fernsehen entdeckt, sein Auftritt in einer Comedy-Show wird ein Youtube-Hit, er wird zu einem Medienereignis. Während er damit beschäftigt ist, sein radikales Programm seinem Volk zu vermitteln, hält das ihn für einen Comedian, der die Dinge endlich mal beim Namen nennt.

Wie ein roter Faden ziehen sich Hitlers flammende Reden durch das gut zweieinhalbstündige Stück, bei denen den Zuschauern so manches Mal das Lachen im Hals stecken bleibt - eben, weil Guido Thurk die Rolle so gut spielt und seine Sprache und Haltung so nah an dem ist, was man von Hitler kennt - inklusive rrrollendem Rrr. Eine Gratwanderung auf der Grenze des guten Geschmacks, eine Satire, die er meisterhaft spielt. Ihm zur Seite standen starke Mitspieler. Der Applaus des Publikums gab den Darstellern Recht: Sie zeigten eine überragende Leistung.

Quelle: NGZ
 
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