| 16.30 Uhr

Dormagen
Fair raufen und ringen

Dormagen. Kinder brauchen Regeln. Was so selbstverständlich klingt, ist im Schulalltag leichter gesagt als getan. Deshalb lernen schon Grundschüler, wie man Konflikte im Keim erstickt, Grenzen setzt und gewaltfrei miteinander umgeht. Von Heiko Schmitz

Wer Terrence Gene Bollea ist, werden nur eingefleischte Fans wissen. Unter seinem Künstlernamen "Hulk Hogan" dürfte der US-Amerikaner sehr viel bekannter sein – er ist prominenter Vertreter einer Schaukampfsportart, die mit dem Alltag auf Schulhöfen mehr zu tun hat, als man denkt. "Wrestling" nennt man das spektakuläre Raufen im Ring, das schon Grundschüler zu einem rabiaten Umgang miteinander animiert. "Manche Kinder übertragen das, was sie im Fernsehen oder in Computerspielen sehen, eins zu eins auf ihre Umgebung", sagt Monika Scholz, Schulleiterin an der städtischen Erich-Kästner-Grundschule. Sie beobachtet seit längerem, dass die Hemmschwelle bei körperlichen Übergriffen sinkt, dass schon Erst- und Zweitklässler sich mit Kraftausdrücken beleidigen. Aus diesem Grund bekommen jetzt schon die Grundschüler professionell vermittelt, wie man seine Kräfte "fair" messen kann. Vor allem aber sollen die Kinder lernen, sich zu behaupten, ohne zu provozieren, und sich wehren zu können, ohne Tritte oder Rempler mit Schlägen und Schubsern zu beantworten. Vermittelt wird all das von Pädagogen, die unter dem Stichwort "Gewaltfrei lernen" Schulen Workshops und Trainings anbieten. "Dank einiger Sponsoren und unseres Fördervereins können wir das Angebot nutzen", sagt Monika Scholz.

Gestern stand das Training unter anderem für die Klasse 2b zur dritten und abschließenden Doppelstunde auf dem Programm. Nadine Sprenger, 30-jährige Sportwissenschaftlerin aus Frechen, sorgt für viel Bewegung bei den Sieben- und Achtjährigen, die zu zweit oder zu viert liegend oder stehend Buchstaben bilden müssen. "Es geht auch um Integration", sagt Klassenlehrerin Dagmar Mielke. Wer sich kennt und als Gruppe empfindet, wird sich weniger herumschubsen. Wobei die Kinder genau dies im Workshop dürfen. Allerdings nach festen Regeln. Die Wichtigste lautet: Tritte oder Schubser werden nicht mit gleicher Münze heimgezahlt, sondern mit einstudierter Deeskalation beantwortet. Beispiel: Wer sich beim Herumlaufen in der Halle, anrempelt, entschuldigt sich. Dann dürfen die Kinder Konfliktsituationen nachstellen: festhalten, klammern, an den Haaren ziehen. Nadine Sprenger demonstriert, wie man sich befreit und Mitschülern klarmacht, dass man nicht "mitspielen" will. Aus einem Klammergriff von hinten etwa befreit die "Rakete". Heißt: Po raus, abdrücken, Arme frei schlängeln, umdrehen, Abstand schaffen, Handflächen hochnehmen und laut und deutlich sagen: "Ich will das nicht." Sogar eine dreistufige "Stopp sagen"-Strategie wird erlernt. Sie soll auch die Pädagogen entlasten, die nicht mehr bei jeder Rangelei eingreifen müssen. Die Kinder sollen lernen, Konflikte selber zu regeln.

Quelle: NGZ
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