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Dormagen
Fernöstliches Flair im Kreismuseum

Dormagen. Festival Alte Musik in Zons mit dem Konzert "Auf den Spuren Marco Polos".

Wer in diesem Zusammenhang an eine vom Fernweh getriebene abenteuerliche oder ethnologische Entdeckungstour gedacht hatte, wurde enttäuscht. Aber dafür erklangen Lieder tiefen Empfindens. Sie beschworen Heimat, Verlust, Verlassenheit, Scheitern der Liebe und Abschied. Allzu viel Heiteres war dem Gesang der lyrischen Sopranistin Romelia Lichtenstein nicht zu entnehmen, wenn einmal von der Brillanz ihrer Stimme abgesehen wird.

Immerhin stand ihr mit Ragna Schirmer eine Partnerin am Klavier zur Seite, die sowohl passgenau und einfühlsam begleitete als auch mit fantastischen Soli aufwartete. Trotz mehrfacher Erklärungen erschloss sich den Besuchern lange nicht, warum ausgerechnet Marco Polo in das Zonser Kreismuseum hereingeschaut hat, wo seine Sache doch eher das Durchstreifen ganzer Kontinente und das Entdecken entlegenster Kulturen war. Doch der Italiener lieferte immerhin die entscheidenden Stichwörter, und China als die entlegenste Region kommt im Übrigen auch vor. Wie immer in der Kunst, sind es die ganz großen Themen Geburt, Leben und Tod, zu denen sich der zweistündige Vortrag der beiden exzellenten Künstlerinnen bündelt.

Marco Polo war auf dem Weg. Die Sopranistin Romelia Lichtenstein, deren Wiege in Sofia gestanden hat, und Ragna Schirmer, geboren in Hildesheim und heute in Halle (Saale) lebend, machten sich mit ihren Mitteln auf die Reise. In drei Liedblöcken mit Felix Mendelssohn Bartholdy, Clara Schumann, Franz Schubert und Franz Liszt spürten sie dem Sinn nach. Sie interpretierten Lieder, die zum unvergänglichen kulturellen Erbe gehören ("Auf Flügeln des Gesanges", "Lorelei") oder beschworen mit Tasten-Virtuosität individuelle Befindlichkeiten ("Der Wanderer"). Da ist er dann jedes Mal doch mit im Spiel, der Marco Polo. Eine wahre Entdeckung für die Zuhörer waren die abschließenden Kompositionen von Bernhard Sekles (1832-1934), der sich mit Schi-King ostasiatischer Dichtung angenommen hat.

(nie)
 
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