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Dormagen
Finanzkabarettisten beim Theatersommer

Dormagen. Starker Auftritt von Chin Meyer und Robert Griess.

Spätestens seit der Finanzkrise 2008 gibt es einen gestiegenen Bedarf für nachvollziehbare Erklärungen wirtschaftlicher Zusammenhänge. Die liefert längst auch das Kabarett, wobei Chin Meyer und Robert Griess jetzt beim Theatersommer in ihrem gemeinsamen Programm "Das Leben ist kein Boni-Hof" überzeugend zeigten, dass dies wahrlich keine dröge Angelegenheit ist.

Geradezu spektakulär etwa ist Meyers - von Bankern und Börsianern in seinem Realitätsgehalt vielfach bestätigter - Sketch über die Entstehung von Finanzblasen, die 2008 die Weltwirtschaft an den Rand des Abgrunds brachten. Das Ganze läuft in etwa so: Wo am Anfang die Gründung einer Kneipe und der Entschluss stehen, sich nur mit Schuldscheinen bezahlen zu lassen, bastelt ein findiger "Bankster" aus denen ein Finanzprodukt, dass seine Kreise bis zum Crash zieht, der dem Kneipier seinen Rettungsschirm beschert. Lernen ließ sich bei "Deutschlands führendem Finanzkabarettisten" schließlich auch, dass es nicht nur die eine Euro-Krise gibt, sondern die eine Reihe von Ursachen hat.

Volle Breitseiten gibt es auch gegen die lange vor der Krise nicht übermäßig beliebten Betriebswirte. "Die Weltherrschaft der BWL-er ist verantwortlich für den Schuldenstand der Welt", lautet die pointierte These von Griess. Der glänzte nicht nur in seiner Paraderolle als kölscher Unterschicht-Vertreter "Stapper", sondern auch als zynischer Nutznießer der herrschenden Verhältnisse: In dessen Whiskey-getränkten Monolog entgleitet ihm zunehmend die emotionale Kontrolle bis hin zur "moralischen" Empörung: Die gilt dann aber allein der Tatsache, dass seine jüngste Tochter es wagt, ihn mit den Opfern der auch von ihm verkauften Tellerminen zu konfrontieren. Das wohl beste Angebot im diesjährigen Theatersommer hätte weitaus mehr Zuschauer als die 100 verdient gehabt, die den Bullenstall gerade mal zur Hälfte füllten.

(S.M.)
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