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Dormagen
"Flüchtlinge fördern und fordern"

Dormagen: "Flüchtlinge fördern und fordern"
Im vergangenen Jahr saß Erik Lierenfeld (l.) als Parteivorsitzender und SPD-Bürgermeisterkandidat erstmals auf dem blauen NGZ-Sofa. Am Donnerstag war er als Amtsinhaber Gesprächspartner von Redaktionsleiter Ludger Baten. FOTO: Anja Tinter
Dormagen. Bürgermeister Erik Lierenfeld war zum zweiten Mal Gast auf dem blauen NGZ-Sofa. In der VR Bank sprach er über die Schwierigkeiten in der Flüchtlingsfrage, über seine Amtszeit und über den SPD-Bundestagskandidaten. Von Klaus D. Schumilas

Am Vormittag saß Erik Lierenfeld noch im Willy-Brandt-Haus der SPD in Berlin mit anderen Bürgermeistern und Ministern zusammen, um die Flüchtlingssituation zu erörtern. Am Abend war er Gesprächspartner von Redaktionsleiter Ludger Baten auf dem blauen NGZ-Sofa im Foyer der VR Bank. Dort ging es auch um den Flüchtlingsstrom, der die Stadt längst erreicht hat. Der Dormagener Bürgermeister, seit anderthalb Jahren im Amt, zeigte sich nachdenklich und betroffen angesichts der Schwere der Aufgabe. Das zeigte sein Schlusswort am Ende des Talks, als er nach seinem Wunsch für 2016 gefragt wurde: "Dass wir die Diskussion um die Unterbringung von Flüchtlingen in einem guten, möglichst wertschätzenden Dialog positiv zu Ende bringen."

In der Berliner Runde habe er, so Lierenfeld, ineinem Wortbeiträgen deutlich gemacht, dass man nicht nur über Integration sprechen solle, sondern "den Bürgern auch sagen muss, wie es funktioniert". Er nannte mit Wohnungsbau, Spracherwerb und Arbeitsmarkt drei zentrale Faktoren für dieses Thema. In Dormagen rechnet der Bürgermeister damit, dass 1300 zusätzliche Plätze benötigt werden, weil Ende 2016 wahrscheinlich die Zahl der Flüchtlinge, die hier bleiben, bei 2000 liegen wird.

"Wir müssen dafür sorgen, dass sie gleichmäßig auf die Ortsteile verteilt werden." In diesem Zusammenhang sprach er auch von einem "fordern und fördern". Wer den Sprachkursus verweigert, solle auch (finanzielle) Sanktionen spüren. Lierenfeld sprach die Vorbehalte an, die bei vielen Bürgern bestehen, wenn es darum geht, in direkter Nachbarschaft Flüchtlinge unterzubringen. "Das wollen viele nicht. Aber Integration gelingt nicht durch Verwaltung, sondern durch die Gesellschaft."

Für seine bisherige, kurze Amtszeit zog Lierenfeld eine positive Bilanz. Im Rat gebe es einen "umgänglicheren Ton" und ein "wertschätzendes Miteinander"; innerhalb der Verwaltung habe er einiges neu strukturiert, so werde die Dezernentenebene abgeschafft; er selbst halte das hohe Tempo mit vielen Bürgerkontakten. Kritisch sieht er das Verhältnis zwischen den acht Bürgermeistern und Landrat, die sich über eine geplante Erhöhung der Kreisumlage streiten. "Wenn sich Petrauschke nicht bewegt, werden wir acht Bürgermeister erstmals unser Rederecht im Kreistag wahrnehmen und dort deutlich werden." Lierenfeld appellierte an die Kreistagsabgeordneten, die eine Verpflichtung der Stadt gegenüber hätten, aus der sie entsandt werden.

Eine zur Rede stehende Übernahme der Musikschule durch den Kreis sieht er nicht: "Ich habe noch keine überzeugenden Zahlen gesehen, die das zwingend machen." Mit Blick auf die nächsten Bundestagswahlen 2017 geht Lierenfeld davon aus, dass die SPD einen guten Bewerber ins Rennen schicken wird. Zur Aussage aus Neuss, wonach der Vorsitzende der Kreispartei (bald Daniel Rinkert) den ersten Zugriff habe, sagte er: "Es steht uns gut zu Gesicht, mehrere Kandidaten zuzulassen. Wir haben viele gute Kandidaten, einer davon ist Daniel Rinkert."

Quelle: NGZ
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