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Dormagen
Forscher präsentieren Buch über seltene Wanzenart vom Wahler Berg

Dormagen. Der frühere Biologielehrer Peter Kott beschäftigt sich intensiv mit dem Insekt. Erkenntnisse und Fotos erscheinen in einer Schrift der Biologischen Station.

Eine Wanze als Haustier, das wünscht sich wohl kaum jemand. Bei Peter Kott ist das anders: Er züchtet die Kurzflügelige Raubwanze in einem Terrarium im Keller und hat ungezählte Stunden damit verbracht, das äußerst seltene Insekt in seinem natürlichen Lebensraum, dem FFH-Gebiet "Wahler Berg" an der B 9, zu beobachten. Die exzellente inhaltliche und fotografische Ausbeute seiner Forschung erscheint jetzt in der "Schriftenreihe der Biologischen Station im Rhein-Kreis Neuss" unter dem Titel "Aus dem Leben der Kurzflügeligen Raubwanze".

Früher lehrte Peter Kott Biologie an der Realschule Dormagen. 1994 hat er zum ersten Mal die Raubwanzen am Wahler Berg gezählt, zehn Jahre später noch einmal. Spätestens da war sein Forschergeist geweckt, sein Interesse an jener Art, an der noch so viel unentdeckt und unbeschrieben war. "Man muss nicht in den Regenwald fahren, um Neues zu finden. Das gibt's auch vor der Haustür", meint der 72-Jährige. Stunde um Stunde lauerte er auf der Sanddüne im "Wahler Berg", schwitzte bei Temperaturen bis zu 80 Grad Celsius in Bodennähe, die Canon 7D mit dem Makro-Objektiv immer im Anschlag. Jede Raubwanze, kurz- oder langflügelig, hat Peter Kott mit Farbe betupft und so eine Population von etwa 500 zusammengezählt. Die Insekten kommen fast nirgends sonst in NRW vor. Auf der trockenen und heißen Flugsanddüne finden sie offenbar optimale Bedingungen. Sie unterscheiden sich von anderen Wanzen durch den "gebogenen, kräftigen Rüssel mit nur drei Gliedern" und haben "sehr große, kugelige Augen", mit denen sie fast rundherum sehen können. Als Nahrung dienen den etwa ein Zentimeter langen Tieren Schmetterlinge, Raupen, Käfer oder Zwergzikaden. In beeindruckenden Fotos hat Kott die Wanze in allen Details, beim Verspeisen ihrer Opfer und während der Paarung, dokumentiert. Er konnte durch lange Beobachtung feststellen, dass die Männchen ihr Erbgut in einem selbst produzierten Behälter ans Weibchen übergeben. Ein Meilenstein: Französische Forscher hatten trotz Sezierung etlicher Tiere diesen Nachweis nicht erbracht. "So etwas beobachte ich zu Hause im Terrarium", erzählt Kott. Dort wird er weiterforschen, denn manche Frage ist noch offen. Etwa jene, warum die Population der Lang- und der Kurzflügeligen Raubwanzen am Wahler Berg im Verhältnis hartnäckig bei 1:3 verweilt.

Info Kotts Publikation ist bei der Biologischen Station im Rhein-Kreis in Knechtsteden erhältlich, Tel. 02133 50230.

(-fg)
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