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Dormagen
Freunde lassen "Dammi" nicht im Stich

Dormagen: Freunde lassen "Dammi" nicht im Stich
Ralf Mundt (l.) und Roland Haffner wollen Astrid Damrich und ihre Familie unterstützen. Seit der Schulzeit sind die beiden mit Andreas Damrich (im Rollstuhl) befreundet. FOTO: Anja Tinter
Dormagen. Andreas Damrich ist 40 Jahre. Vor einem Jahr erlitt der dreifache Vater einen Herzinfarkt. Er musste reanimiert werden und liegt seitdem im Wachkoma. Drei Freunde wollen ihm und seiner Familie helfen. Sie starteten einen Aufruf. Von Anneli Goebels

An der Wand neben dem Spezialbett kleben Fotos. Sie zeigen Andreas Damrich beim Spielen mit seinen Kindern, im Urlaub, im Garten, mit seiner Frau Astrid am Hochzeitstag. Auf allen Bildern strahlt der heute 40-Jährige, sieht glücklich und zufrieden aus. Das jüngste Foto ist kaum ein Jahr alt.

Mit den Kindern Alexandra (8), Julian (6) und Franziska (4) toben, lachen, ihnen vorlesen oder sie trösten - all das kann Andreas Damrich heute nicht mehr. Ob er sie und seine Astrid überhaupt wahrnimmt, kann keiner sagen, denn der junge Familienvater liegt im Wachkoma. Im August 2014 ging der Delrather mit einem Freund zum Joggen. Als Astrid Damrich ihn danach wiedersah, war nichts mehr so wie vorher. Während des Laufs fühlte er sich unwohl, brach plötzlich zusammen - Herzinfarkt, wie der herbeigerufene Notarzt diagnostizierte. Noch vor Ort wurde Damrich reanimiert, kam ins Krankenhaus nach Hackenbroich. Sein Leben konnten die Ärzte zwar retten, doch er wurde zum Schwerst-Pflegefall. Nach einem mehrwöchigen Aufenthalt in der Klinik und einem mehrmonatigen Reha-Aufenthalt lebt Damrich jetzt zu Hause, wird von seiner Frau Astrid und Pflegerinnen, die rund um die Uhr da sind, versorgt.

"Ihn in ein Heim zu geben, kam für mich nicht in Frage", sagt Astrid Damrich, die seit zwölf Jahren mit Andreas verheiratet ist. "Ich habe ihm versprochen zu kämpfen und unsere Familie zusammen zu halten", sagt die 39-Jährige. Und seitdem kämpft sie, jeden Tag, und nicht nur dafür, dass ihr Mann wieder ins richtige Leben zurückkehrt, sondern auch immer wieder mit Formularen und Anträgen, um den schwierigen Tagesablauf ein wenig einfacher gestalten zu können. Nicht zuletzt ist sie jetzt allein für die drei Kinder verantwortlich. "Sie reden mit ihrem Vater, drücken ihn, berichten von Schule und Kindergarten", sagt Astrid Damrich. Eine Antwort bekommen sie nicht. Als Tochter Alexandra im April zur Kommunion ging, war auch der Vater in der Kirche, im Rollstuhl. Bei Familienfesten ist er dabei, sitzt bei schönem Wetter im Garten oder wird ins Eiscafé mitgenommen. Essen kann er dort nichts, er wird künstlich ernährt.

Seit 2011 leben die Damrichs in Delrath, Andreas ist Mitglied im Schützenverein. Als im Januar klar war, dass er nach Hause kommen wird, haben Freunde und Kollegen der Neusser Sparkasse geholfen, ihm ein Zimmer herzurichten. Drei Freunde aus der Schulzeit - alle haben 1994 ihr Abi am Norbert-Gymnasium gemacht - haben nun eine Internetseite erstellt, auf der sie um Hilfe für die Familie bitten. "Wir haben zwar auch ein Spendenkonto eingerichtet, doch es geht nicht nur um monitäre Hilfe", sagt Roland Haffner. So habe beispielsweise ein ehemaliger NGK-Schüler, der einen Bauernhof hat, die Familie zu einem "unbeschwerten Tag" eingeladen. Unbeschwert war der Umgang der Kumpels mit "Dammi", wie sie ihn seit der Schulzeit nennen, keineswegs. Erst nachdem Andreas Damrich schon Monate zu Hause war, besuchten Haffner, Norbert Nawroth und Ralf Mundt ihn. "Wir hatten Angst, waren geschockt, wussten nicht, wie wir uns verhalten sollten", gestehen sie. Keine Heldentat, finden die drei heute. "Ich glaube fest daran, dass er irgendwann wieder bei uns ist", sagt Astrid Damrich und streichelt ihrem Mann liebevoll über die Wange. Bis dahin ist Hilfe bitter nötig. "Noch bekommen wir Krankengeld, aber bald wird mein Mann berentet. Ich weiß nicht, wie es dann weiter gehen soll", sagt sie.

Quelle: NGZ
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