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Dormagen
Geglücktes "Experiment" zur Nacht

Dormagen. Literaturabend mit Musik in der Nordhalle schlägt Bogen zum Kreismuseum.

Als "Kunst der Nacht und der Halbnacht" bezeichnet Friedrich Nietzsche die Musik. Dass die Nacht aber auch in der Literatur mindestens seit der Romantik eine große Rolle spielt, zeigte die Veranstaltung "Nachtmusik" in der Nordhalle in Zons, die verschiedene Kompositionen, mitreißend vorgetragen von der Pianistin Nadja Bulatovic, mit literarischen Auszügen aus verschiedenen Werken, rezitiert von Professor Dr. Ute Büchter-Römer, miteinander verknüpfte.

"Unsere Runde ist ein bisschen größer als ein Privatissimee", begrüßte Angelika Riemann, Leiterin des Kreismuseums Zons, die knapp 30 Zuschauer, die eintauchen wollten in die Nacht, die 1000 schwarze Augen hat. "Diese Veranstaltung ist ein Experiment, weil sie erstmalig im Zusammenhang mit der Ausrichtung unseres Museums steht. Wir danken dem Förderverein, der uns bei der Realisierung unterstützt hat." Das Kreismuseum Zons beheimatet die größte Jugendstil-Zinn-Sammlung Europas, und die Nacht spielt im Jugendstil sowohl in der Symbolik, als auch in der Gestaltung eine wesentliche Rolle. "Wir bieten mit dieser Veranstaltung ein sehr spezielles Programm, aber dafür ist unser Museum ja bekannt", sagt Riemann und lacht.

Ute Büchter-Römer und Nadja Bulatovic vermochten es in harmonischem Zusammenspiel, die zahlreichen Facetten der Nacht darzustellen und Gedanken in selbige fliehen zu lassen. "Die Nacht, prächtig, geheimnisvoll, bedrohlich, grausam...", leitete die Germanistin ein und rezitierte verschiedene Texte, die die Nacht beschreiben, darstellen und fast erfühlbar machen. Die Nacht sei ein Ort des Geheimnisses, der Sehnsucht, der Erfüllung - das wurde auch in einem Novalis-Text deutlich. Und dass die Sterne Lichter der Erkenntnis sind, zeigte ein Auszug aus "Der Luftschiffer" von Karoline von Günderrode. Untermalt wurden die Worte durch das zauberhafte Klavierspiel der Pianistin, die unter anderem Robert Schumanns "Träumerei", Clara Schumanns "Notturno" oder Johannes Brahms' Intermezzo No. 1 aus Opus 117 spielte. Kaum ein Atmen war während der Vorträge zu hören, selbst ein Applaus - darin waren sich alle Zuschauer offensichtlich einig - hätte die besondere Stimmung zerstört.

(vest)
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