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Dormagen
"Geheime Musik" beim Festival in Knechtsteden

Dormagen. Neben William Byrds lateinischer Messe wurden in der Basilika beeindruckende moderne Kompositionen vorgetragen. Von Hansgeorg Marzinkowski

Weil das Festival Alte Musik Knechtsteden sein 25-jähriges Bestehen feiert, wurde kurzerhand das Fest "Allerheiligen" (1. November) vorgezogen. Als roter Faden zog sich in der wiederum gut besuchten Klosterbasilika die vierstimmige "Mass for All Saints" von William Byrd (1543 - 1623) durch ein Programm, für das "The Marian Consort" (Oxford) gewonnen werden konnte. Eines der besten und einfallsreichen britischen Nachwuchsensembles widmet sich vor allem der frühen A cappella-Musik des 15. bis 17. Jahrhunderts. Unter der unauffälligen Leitung von Rory McCleery (Countertenor) singen Katie Trethewey und Rachel Ambrose Evans (Sopran), Guy Cutting (Tenor), Richard Bannan (Bariton) und der schmächtige, aber ein solides Fundament bauende Bass Edmund Saddington.

William Byrds lateinische Messe gehört zu den "geheimen Musiken", denn katholische Kirchenmusik durfte im "goldenen Zeitalter" Elizabeth I. nicht aufgeführt werden. Gleichwohl feierte das Ensemble dieses polyphone Meisterwerk in bestechender Interpretation. Lediglich eine Sopranistin verließ im Forte öfter die feine Homogenität. Ein fünfstimmiges "Ave Maria" von William Byrd und weitere Lobgesänge auf die Mutter Gottes ergänzten die umfangreiche Messkomposition.

Dabei widmete sich das Ensemble auch modernen Kompositionen, unter denen ein "Ave Maria" der 1983 geborenen Komponistin Hilary Campbell und ein großartiges "Ave virgo sanctissima" von Matthew Martin (40) beeindrucken konnten. Der junge Countertenor Rory McCleery arbeitet auch als Pädagoge. So war für das Konzert in Knechtsteden als Finale die 40-stimmige Motette "Spem in alium" von Thomas Tallis geplant. Das sollte in einem Workshop mit Teilnehmern aus Hoch- und Musikschulen Nordrhein-Westfalens erarbeitet werden. Die Annahme, dass ausreichend Sängerinnen und Sänger für einen kurzen Auftritt beim Festival anreisen würden, war wohl etwas naiv. So mussten Mitglieder aus "Rheinischer Kantorei" und Dormagener Kantorei den Workshopchor verstärken, der unter Leitung von Edzard Burchards das nicht minder berühmte "Miserere mei, Deus" für neun Stimmen in zwei Chorgruppen des römischen Renaissancemeisters Gregorio Allegri aufführte. Der fünfstimmige Hauptchor sang im Altarraum, der vierstimmige Favoritchor (The Marian Consort) wiederholte in der Westapsis eine ornamentierte Version - ein wirkungsvolles Finale.

Quelle: NGZ
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