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Dormagen
Gehirnforscher wollen in Zons Zellen entschlüsseln

Dormagen. "Es gibt 160 Milliarden Zellen im menschlichen Hirn, aber nur knapp die Hälfte davon sind Nervenzellen", sagt Professor Frank Kirchhoff von der Universität des Saarlandes.

Kirchhoff und eine ganze Riege internationaler Neurowissenschaftler, die am Wochenende in Zons zusammenkamen, befassen sich mit der anderen Hälfte: den weniger bekannten Gliazellen, die eine elementare Rolle bei der Informationsübertragung im Gehirn spielen. Sind sie geschädigt und in ihrer Funktion gestört, entstehen Krankheiten wie Multiple Sklerose, Epilepsie oder Parkinson. "Wir betreiben keine klinische, sondern Grundlagenforschung, wir wollen verstehen, wie gesunde Gliazellen funktionieren und erforschen keine Krankheitsbilder", betont er.

Mit Professor Christine Rose von der Düsseldorfer Universität koordiniert er das Projekt "Funktionelle Spezialisierung von Gliazellen als kritische Determinanten der Hirnaktivität", in dem Wissenschaftler interdisziplinär und über Ländergrenzen hinweg zusammenarbeiten. Biochemiker sind darunter, Genetiker ebenso wie Biologen, Physiker und Physiologen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert das Projekt mit zwölf Millionen Euro, das Treffen in Zons war Auftakt zur zweiten Förderperiode. "Zons ist ein toller Ort für so ein Treffen, jeder hat die Gelegenheit, sich in der Stadt umzuschauen, und doch ist alles klein genug, um konzentriert arbeiten zu können", begründet Rose die Wahl des Tagungsortes, den sie selbst ausgesucht hat: Die Professorin an der Düsseldorfer Uni lebt in Stürzelberg.

Wie nun schaut man hinein ins Hirn eines Menschen? "Mithilfe von Modellorganismen wie Fruchtfliegen oder Zebrafischen zum Beispiel, die sich gut auf Wirbeltiere übertragen lassen", erklärt Kirchhoff. Erste Erkenntnisse liegen vor: Man weiß heute, dass Gliazellen die Nervenleitgeschwindigkeit und die Blutversorgung des Gehirns regulieren. Gelingt es, ihre genaue Funktionsweise zu entschlüsseln, dann könnten auch Medikamente entwickelt werden, "um exakt jene Mechanismen anzusteuern, die bei Erkrankungen gestört sind", so Rose. Fortschritte erhoffen sich die Wissenschaftler insbesondere bei der Erforschung jener Ausfälle, die Epilepsie zur Folge haben.

(-fg)
 
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