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Dormagen
Gelungene Improvisation bei der Klassikmatinee im Café Seitenweise

Dormagen. Die Sonntagsmatinee "Opernstimmen im Café Seitenweise" begann mit einer Überraschung - zunächst mit einer weniger erfreulichen. Durch den kurzfristigen Ausfall des Tenors Wolfgang Klose musste das Programm umdisponiert werden. Brahms Liebesliederwalzer für vier Gesangssolisten und Klavierbegleitung ist sehr anspruchsvoll und erfordert ein wohl aufeinander abgestimmtes Ensemble, eine ausgesprochen gewissenhafte Vorbereitung. Verständlich, dass man kurzfristig keinen adäquaten Ersatz fand. Eine sozusagen verstümmelte Aufführung mit nur drei Stimmen bedürfte wohl einer umfangreichen Umarbeitung und kam auch nicht in Frage. So entschloss man sich kurzerhand, ein gänzlich neues Programm aus gut sitzendem Repertoire zu gestalten. Von Christian Oscar Gazsi Laki

So gelang dennoch mit dem Ersatz ein inspirierter vielseitiger Ausflug in die klassische Gesangskunst. Die charismatische Sopranistin Geesche Bauer, Altistin Constanze Schumacher, Rolf A. Schneider mit seinem kraftvollen Bass und der über alle Maßen routinierte Pianist Christopher Flaskamp beglückten das - durch das Café auch kulinarisch verwöhnte - Publikum mit einem schön gefügten musikalischen Querschnitt rund um das Thema Liebe.

Nach einem kurzen A-capella-Auftakt zu dritt widmeten sich Bauer und Schumacher ausgewählten Stücken aus Dvoraks Mährischen Duetten. Blieb man somit noch ganz im Geiste des ursprünglichen Programms, wurde es anschließend kurios, ja, wunderbar ironisch modern. Schneider entführte das Publikum kurzerhand mit fünf Romanzen nach Texten der Zeitschrift "Krokodil" op. 121 in die Klangwelt Schostakowitschs. Doch fügte sich dieser Bruch recht erfrischend in das Gesamtkonzept. Auf Brahms musste das Publikum indes auch nicht verzichten: Mit einer feinen Auswahl an Liedern ließ man jene überbordende Ausdruckskraft Brahmsscher Musikseele aufblühen. Das Finale war dann schließlich ganz Mozart vorbehalten, zunächst drei Terzette und noch ein Mini-Best-Off aus der Opernwelt.

Eine dann doch gelungene Premiere im Café Seitenweise, die zum ersten Mal klassischem Gesang ihre behagliche Bühne bot.

Quelle: NGZ
 
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