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Dormagen
Glanzvolles deutsches Magnificat

Dormagen. Vorweihnachtliches Konzert in der Basilika von Knechtsteden. Von Klaus Niehörster

Doppelt zweigeteilt und doch als eine wunderbare Einheit, so präsentierte sich das musikalische Programm am Samstagabend. Darin teilten sich die beiden ganz Großen der Barockmusik, Georg Philipp Telemann und Johann Sebastian Bach. Und in weiterer Duplizität ging es in der Basilika des Klosters Knechtsteden um 500 Jahre Reformation sowie um Mariä Empfängnis am 8. Dezember. Was vor gar nicht so langer Zeit noch undenkbar gewesen wäre, hier nahm es musikalische Gestalt an: das Besingen und Bespielen von protestantischer und katholischer Glaubensgewissheit.

Mit von der Partie bei diesem üblicherweise als "wunderbar" bezeichneten, in diesem Fall aber real zupackenden Musizierens waren der famose Kammerchor an der Basilika, das brillant aufspielende Concert Royal Köln sowie Nadine Balbeisi, Sopran, Arnon Zlotnik, Altus, Lothar Blum, Tenor, und Bernhard Huesgen, Bass. Die Leitung hatte der wie immer souverän und engagiert dirigierende Bert Schmitz, neben vielem anderen seines Zeichens ausgewiesener Interpret alter Musik.

Bert Schmitz und mit ihm die voll besetzte Basilika freuten sich über die ideale Besetzung sowie "über dieses musikalische und inhaltliche Ereignis". Originale Instrumente, entweder aus alter Zeit oder ihnen nachempfunden, sorgten ebenso für den richtigen Ton wie die herrlichen Gesangsstimmen. Ein den Hörgenuss garantierender richtiger Blickfang war dabei die ventillose Zugtrompete (Marion Kutscher) im neunköpfigen Barockensemble. Mit wohlklingendem Bogenstrich und adventlich anmutenden Flötentönen taten es ihr die anderen Instrumentalisten gleich.

Der Chor wurde von Schmitz, der die Strenge des Dirigenten mit einem ungemein freundlichen Habitus zu verbinden versteht, sehr gefordert. Die vertrauten Sängerinnen und Sänger haben sich auch diesmal begeisterungsfähig und stimmgewaltig im Sinne von Geschlossenheit gezeigt. Schließlich sind Bachs Lutherische Messe, BWV 235, und Telemanns Deutsches Magnificat keine choralen Spaziergänge, ebenso wenig wie die Tafelmusik und Sinfonia für die ohne einen Dirigenten auskommenden royalen Instrumentalisten. War es Ergriffenheit, Andacht, musikalische Kennerschaft oder alles zusammen, was die Besucher abschließend so freudig kräftig Beifall spenden ließ? Vermutlich alles davon.

Quelle: NGZ
 
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