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Dormagen
Gregorianik aus Notre Dame

Dormagen. Das Ensemble "Vox Werdensis" gastierte beim Festival Alte Musik. Von Hansgeorg Marzinkowski

"Meist passt die gregorianische Nacht nicht so richtig ins Programm", sagt Hermann Max, der künstlerische Leiter des Festivals Alte Musik in Knechtsteden, das in diesem Jahr "Feste feiert" aus Anlass des 25-jährigen Bestehens. Speziell für diese Nacht aber gilt auch, wenn Christina Kampmann, Schirmherrin des Festivals und NRW-Ministerin für Familie und Kultur, sagt: "Das Festival ist eine einzigartige Symbiose zwischen der besonderen romanischen Basilika und Alter Musik."

Gregorianik und romanische Basilika - das passt zusammen wie kein anderes Programm. Ungebrochen ist auch der Besucherandrang. Erneut war das Essener Ensemble "Vox Werdensis" unter Leitung von Stefan Klöckner in Knechtsteden. Im neuen Programm "Lost in spes" erklangen ein- und mehrstimmige Gesänge aus dem mittelalterlichen Repertoire der Schule von Notre Dame de Paris sowie gregorianische Gesänge und mittelalterliche Instrumentalmusik.

Im Mittelpunkt stand die Hoffnung, um die in Motetten, Responsorien und Antiphonen gerungen wurde und deren glückliches Ende die Auferstehung zu Ostern ist. Die neunköpfige Schola mit Klöckner, der als Professor für Gregorianik das entsprechende Institut an der Essener Folkwang Universität der Künste leitet, schuf in Sologesängen und Chor ein rhythmisch authentisches Bild der mittelalterlichen Gesänge. Erstaunlich: Die Soli waren von sehr individueller Klangfarbe, im Tutti aber herrschte bestechende Homogenität. Dominik Schneider improvisierte auf seinen selbstgebauten Renaissanceflöten mit ihrem wunderbar offenen Klang dazu oder bereitete die gregorianischen Werke mit Quinterne (mittelalterliche Gitarre) oder einer kleinen Orgel einfühlsam vor. Zur einzigartigen Stimmung in der Basilika trug eine gelungene Lichtinstallation von "Robin One Art" bei, die zu den Gesängen gedämpfte Illustrationen schuf. Als zum Schluss die großen Fenster im Ostchor hinter dem Hauptaltar von außen angestrahlt wurden, war die Erlösung auch in der Musik die Vollendung aller Hoffnung.

Quelle: NGZ
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