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Dormagen
Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge ist groß

Dormagen: Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge ist groß
FOTO: Anja Tinter
Dormagen. Die Stadt Dormagen hat innerhalb von acht Stunden eine Notunterkunft für 150 Flüchtlinge eingerichtet. Die ersten 32 Menschen kamen am Montagabend an der Turnhalle am Sportpark an, gestern folgten die anderen mit drei Bussen. Von Carina Wernig

Es ist 22.55 Uhr - und der kleine Junge im Wartezelt an der Sporthalle am Sportpark scheint nicht müde zu sein, sondern strahlt übers ganze Gesicht, während er sich an die Knie seines Vaters lehnt. Voller Freude drückt er einen großen blauen Ball an sich und lässt ihn auch nicht los, als die kleine Familie zur medizinischen Untersuchung gerufen wird. Die drei Flüchtlinge sind mit 29 anderen Schutzsuchenden die ersten der 150 Flüchtlinge, für die auf Bitten des Landes die Stadt Dormagen innerhalb von acht Stunden eine vorläufige Notunterkunft organisiert hat. Dies gelang mit Hilfe des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), des Malteser-Hilfsdienstes, des Kreis-Gesundheitsamtes, der Dormagener Ärzteschaft, der Feuerwehr, der Technischen Betriebe sowie vieler Helfer aus der Verwaltung. Das DRK organisierte neben Essen (Nudeln mit Tomatensoße und Salat) und Bettdecken auch 150 Feldbetten - in Hessen, da sie in NRW ausgebucht waren.

"Die Generalprobe hat heute gut funktioniert", sagte Bürgermeister Erik Lierenfeld am späten Montagabend, an dem er die Flüchtlinge an der Beethovenstraße willkommen hieß. "Man sieht ihnen an, dass sie jetzt erleichtert und glücklich sind." Dass die angekündigten 150 Flüchtlinge in Etappen anreisten, gab der Stadt und den Helfern die Gelegenheit, die Abläufe zu optimieren. So wurden gestern ein weiteres Aufenthaltszelt, ein drittes Zelt für die medizinische Untersuchung und Dixi-Toiletten im Willkommensbereich aufgestellt. "Ich bin sehr froh und stolz, wie unsere Stadt diese Aufgabe bisher mit enormer Hilfsbereitschaft bewältigt hat", so Lierenfeld, der allen Beteiligten "ein Riesen-Lob und großen Dank" aussprach. Gestern kamen bis nachmittags weitere 92 Flüchtlinge in Dormagen an. Für abends waren die noch Fehlenden angekündigt.

FOTO: "Tinter, Anja (ati)"

Die 32 Flüchtlinge, die am Montag um 22.30 Uhr mit einem weißen Bus von der Flüchtlings-Landesstelle aus Unna-Massen anreisten, sind überwiegend Familien mit Kindern. "Sie haben sehr wenig Gepäck dabei, im Gegensatz zu den Flüchtlings-Familien, die uns zugewiesen werden", erläuterte Wiljo Katers, Leiter des "Sozialen Wohnens" der Stadt. Die Flüchtlinge seien erst seit wenigen Tagen in Deutschland: Ein Iraker kam über die Türkei mit dem Zug, eine albanische Familie über Griechenland mit dem Schiff. Für Privatsphäre in der Sporthalle, in der ein Teppich verlegt wurde, sorgen seit gestern Trennwände.

Die Welle der Hilfsbereitschaft für die Flüchtlinge ist groß: Bereits am Montag brachten einige Dormagener wie die Familie Olschewski Kleiderspenden zur Unterkunft. Leonie (8) hatte sich von Spielzeug getrennt: "Andere brauchen das dringender." Sachspenden sind ebenso weiter erwünscht wie ehrenamtliche Mitarbeit und Geld (s. Kasten).

FOTO: "Tinter, Anja (ati)"

Am Montagmittag lag die Zahl der Flüchtlinge in Dormagen bei 386, weitere 18 sind sowieso für diese Woche angekündigt. "Die 150 zusätzlichen Plätze, die wir im Auftrag des Landes schaffen, werden uns auf unser Kontingent angerechnet", erläutert Lierenfeld. Die Bezirksregierung hat die Notunterkunft in Dormagen für drei Wochen angefordert und trägt die Kosten. Die Flüchtlinge verbringen meist nur wenige Tage dort, bevor sie auf andere Einrichtungen verteilt werden - und neue Flüchtlinge nachrücken.

Der städtische Sportservice spricht nun mit den Sportvereinen, die in der Turnhalle der Realschule trainieren oder die Außenanlagen nutzen: "Wir werden Alternativen für die Sportler, auch für den Schulsport finden", erklärt Kämmerin Tanja Gaspers. Lierenfeld ergänzt: "Wir müssen ein Stück zusammenrücken und bitten um Verständnis."

Düsseldorf: Hier sollen Flüchtlinge untergebracht werden FOTO: dapd, dapd
Quelle: NGZ
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