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Dormagen
Hörspiele beflügeln Fantasie und Sprache

Dormagen: Hörspiele beflügeln Fantasie und Sprache
Der Schweizer Regisseur Reto Ott (r.) hielt die Laudatio auf den Rundfunk-Künstler Walter Andreas Müller, den Gewinner des Darstellerpreises. FOTO: G. Salzburg
Dormagen. Im Internationalen Mundartarchiv wurden die Preisträger mit dem Hörspielpreis geehrt: Pierre Kretz und Walter Andreas Müller. Von Klaus Niehörster

"Warum machen wir das eigentlich?" Achim Thyssen, Leiter des Mundartarchivs "Ludwig Soumagne" in Zons, stellte zur Eröffnung der Hörspielpreisverleihung eine gar nicht so rhetorische Frage. "Hörspiele haben in der Radiowelt einen großen Stellenwert", antwortete er selbst und fügte optimistisch hinzu: "Das Kopfkino ist wieder im Kommen." Und das trotz großer Unterschiede in der Akzeptanz der Verantwortlichen in den Rundfunkanstalten. Am Donnerstag wurde in der mit prächtigen Wandteppichen drapierten Nordhalle des Kulturzentrums Zons mit der Prämierung jedenfalls der Höhepunkt der Hörspieltage gefeiert. Das hatte Stil und überzeugendes Format.

Redakteure, Regisseure, Autoren und Fachwissenschaftler waren gekommen, um sich auszutauschen und das beste regionale Hörspiel und den besten Darsteller im deutschsprachigen Raum auszuzeichnen. Die Stiftung Kulturpflege und Kulturförderung der Sparkasse hatte sich wiederum erboten, den Hörspielpreis und den Darstellerpreis zu dotieren. Am letzteren beteiligten sich auch die Sendeanstalten.

In seiner Begrüßung konzentrierte sich Kreiskulturdezernent Tillmann Lonnes auf eine Laudatio für das Hörspiel. Das habe unendlich viele Gestaltungsmöglichkeiten, betonte er. Was sich mundartlich scheinbar als eine schroffe Begrenzung anhöre, verkenne das riesige Potenzial dieser Kunstform. Wenn auf der kompletten Klaviatur der Geräusche gespielt werde, Wörter und Stimmungen richtig gesetzt sind, komme über das Ohr die ganze Welt ins Haus. Die Hörspiel-Preisträger: 1. Preis: "Ich bin a beesi Fräü", Autor ist Pierre Kretz; 2. Preis: "Global Player - Wo wir sind isch vorne", Autor Felix Huby; 3. Preis: Tallymann und Schutenschubser", Autor Michael Uhl.

Ein Ausschnitt aus dem Sieger-Hörspiel wurde abgespielt, und dann kam der erste Preisträger zu Wort - und wie! Pierre Kretz, Schriftsteller aus Straßburg, ließ es sich nicht nehmen, ausschließlich sein heimatliches Alemannisch zu verwenden. Es drohe zu verschwinden, beklagte er, und das war immerhin gut zu verstehen: "Ist das nur noch die Sprache der Gespenster, von denen, die nicht mehr da sind?" Mundart sieht er als unbedingt zu erhaltenden Sprachschatz an. Kretz beruft sich mit Friedrich Dürrenmatt auf einen großen Kollegen. Dieser schwyzerdytsch sprechende Dichter wurde einmal aufgefordert, bitte hochdeutsch zu sprechen. "Ich kann nicht höher", entgegnete er kurz.

Reto Ott, Schweizer Regisseur, hielt die mitreißende Laudatio auf den Rundfunk-Künstler Walter Andreas Müller, Gewinner des Darstellerpreises. "Nackter als im Hörspiel sind die Schauspieler selten", so Ott, "und sie sollten sich das Mikrofon zu ihrem Freund machen." Wie das gelingt, dazu gab der Darsteller-Preisträger abschließend einige brillante Kostproben ab. Auf Schweizerdeutsch in den unterschiedlichsten regionalen Varianten zog Walter Andreas Müller mal literarische, mal satirische Register - ein großer Künstler seines Fachs.

Quelle: NGZ
 
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