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Purple Schulz
"Ich will die Herzen meiner Zuhörer berühren"

Dormagen. Der Musiker gibt am Freitag ein Gastspiel im evangelischen Gemeindezentrum an der Ostpreußenallee. Es gibt noch Karten.

Herr Schulz, Sie touren zurzeit durch Deutschland, am Freitag ab 19.30 Uhr treten Sie in Dormagen im ev. Gemeindezentrum auf. Wo erwische ich Sie gerade?

Purple Schulz Ich bin gerade nach Hause gekommen und hatte heute Morgen ein schönes Frühstück mit der supernetten Moderatorin Andrea Ballschuh bei "Volle Kanne" im ZDF. Und jetzt gleich geht's weiter nach München.

Im September werden Sie 60. Schlaucht das Tourneeleben nicht allmählich?

Schulz Es gibt immer mehr Autos und immer weniger befahrbare Brücken. Aber die drei Stunden auf der Bühne entschädigen mich vollends.

Noch nie einen Gedanken ans Aufhören verschwendet?

Schulz Nein, denn ich schöpfe aus den Konzerten wahnsinnig viel Energie. Die würde mir ansonsten zum Leben fehlen. Das Schönste aber ist, dass es dem Publikum genauso geht. Ich stehe ja auf der Bühne und erzähle mit meinen Songs Geschichten über das Leben, über seine Höhen und Tiefen. Und wenn so ein Abend dann vorbei ist, geht das Publikum ganz anders nach Hause, als es gekommen ist.

Kleine Seen, Verliebte Jungs, Sehnsucht - dürfen sich Ihre Fans in Dormagen auf diese Erfolgstitel freuen? Oder konzentrieren Sie sich auf neuere Stücke, etwa von Ihrem neuen Album, das im Herbst erscheinen soll?

Schulz Es gibt immer eine gesunde Mischung. Abgesehen von den neuen Songs sind natürlich auch einige Hits dabei, man würde mich ja sonst steinigen. Aber einen Song wie "Sehnsucht" singe ich dabei nicht als Pflichtprogramm. Er ist auch für mich nach 33 Jahren immer noch ein Highlight. Ich setze ihn allerdings in einen völlig neuen Kontext, und dann wirkt er, als sei er gerade erst geschrieben worden. So mache ich es mit allen älteren Songs. Es erstaunt mich selbst, wie aktuell die noch sind.

Im Neusser Gitarristen und Violinisten Markus Wienstroer, der auch mit Westernhagen spielte, steht Ihnen ein erstklassiger Musiker zur Seite. Wie kam der Kontakt zustande?

Schulz Wer mich kennt, weiß, dass ich keine 80er-Party auf die Bühne bringe, sondern einen sehr hohen Anspruch an die Musik habe. Und wenn man in einer Duo-Besetzung die teils opulenten, orchestralen Arrangements meiner Alben auf die Bühne bringen möchte, sie also auf ein Minimum reduziert, ohne ihre volle Wucht aufzugeben, dann muss man den richtigen Partner an seiner Seite haben. Einen, der auch emotional so tickt wie ich. Denn ich will ja nicht die Ohren, sondern die Herzen der Zuschauer berühren. Den Tipp zu Markus gab mir mein Toningenieur. Natürlich kannte ich ihn schon vorher, aber erst, seit wir zusammen spielen, habe ich erkannt, was für ein genialer Musiker er ist. Er überrascht mich jeden Abend aufs Neue mit seiner Virtuosität, die nie Selbstzweck ist, sondern immer im Dienste der Geschichte steht, die ich erzähle.

Sie sind nicht nur musikalisch unterwegs. Im Kölner Theater am Bauturm organisierten Sie einst eine Kleinkunstreihe, unlängst erschien Ihr erstes Buch "Sehnsucht bleibt". Gehen Ihnen nie die Ideen aus?

Schulz Falls sie einmal ausgehen sollten, habe ich ja meine Frau, mit der ich schon seit Jahren zusammen die Songs schreibe (lacht). Aber was mein Buch angeht, war es einfach mal an der Zeit, sich mit der "Sehnsucht" auseinanderzusetzen. Sie hat mich mein Leben lang begleitet, sie hat sich und mich verändert, so wie sich dieses Land innerhalb der letzten 60 Jahre verändert hat. Es ist eine Musikerbiografie geworden, in der es erstaunlich wenig um Musik geht und umso mehr darum, was diese Jahre mit mir und mit unserer Gesellschaft gemacht haben. Natürlich erzähle ich auch die eine oder andere Geschichte hinter den Songs, oft sehr privat, aber eben auch politisch. Denn Unterhaltung muss Haltung ja nicht ausschließen.

Sie engagieren sich auch für Menschen, die an Demenz oder Alzheimer erkrankt sind. Warum sind Ihnen diese Themen wichtig?

Schulz Weil es mir nicht darum geht, in die Charts zu gelangen. Da war ich schon. Mir geht es darum, etwas in Gang zu setzen. Und mit Musik kann man die Leute schneller und tiefer erreichen. Als wir unser Video "Fragezeichen" gemacht hatten, war Demenz fast noch sowas wie ein Tabu in unserer Gesellschaft. Bei den Radiostationen traf ich keinen einzigen Moderator, in dessen Familie Demenz kein Thema gewesen wäre. Alle waren sehr berührt von dem Song, aber viele dieser Radioleute sagten mir, er könne nicht im Radio laufen, weil das Thema zu heftig sei. Mittlerweile hat sich das ja zum Glück geändert, und das Video läuft auf Kongressen und wird sogar als Schulungsvideo eingesetzt.

Was dürfen die Zuschauer am 27. Mai in der Dormagener Kulturkirche erwarten?

Schulz Einen Abend, den sie nicht vergessen werden, mit einer Mischung aus Konzert, Kabarett und Comedy. Denn obwohl die Themen meiner Songs oft recht ungewöhnlich sind, gibt es doch auch eine Menge zu lachen. Denn der Humor ist das beste Heilmittel in diesen durchgeknallten Zeiten. Und als "kölsche Jung" habe ich dazu ja auch die Kernkompetenz.

Quelle: NGZ
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