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Horst Herbertz
" Im Chorhaus singen alle Generationen"

Dormagen. Der Kantor und Chorhaus-Leiter Horst Herbertz blickt fünf Jahre nach der Gründung auf eine erfolgreiche Bündelung der Chöre zurück.

Herr Herbertz, vor fünf Jahren wurde das "Chorhaus St. Michael Dormagen" gegründet. Wie sind Sie mit der Entwicklung zufrieden?

Horst Herbertz Es hat sich sehr gelohnt, alle unsere Chöre unter einem Dach zusammenzufassen. Daraus haben sich viele gemeinschaftliche Projekte und neue Chöre in unserer fusionierten Kirchengemeinde St. Michael entwickelt. Das Chorhaus ist eine starke Marke, aber auch eine menschliche Bindung. Dass wir mit unserem Pfarrer Peter Stelten 2012 einen Schwerpunkt auf die Musik gelegt haben, kommt uns zugute. Aus einer Position der Stärke, nicht der Mangelverwaltung, heraus haben wir ein schon positiv besetztes Netzwerk ausgebaut, in dem sich Sänger entwickeln dürfen. Dass einige junge Mitglieder ein Musikstudium aufnehmen, hat viel mit dem "Klima Chorhaus" zu tun.

Gab es vor fünf Jahren Befürchtungen einzelner Chöre, im großen Chorhaus "unterzugehen"?

Herbertz Wer eine Vereinnahmung befürchtet haben sollte, wurde schnell beruhigt: Heute sind alle froh, ihre eigene Art weiter entwickeln zu können, trotzdem aber auf neue Mitsänger und das gemeinsame Dach des Chorhauses zurückgreifen zu können. Neue Projekte wurden mutig angegangen, zu denen der einzelne Chor vielleicht nicht den rechten Mut aufgebracht hätte. Wir haben keinem der Chöre ein fertiges Konzept übergestülpt, sondern gehen respektvoll miteinander um. Jeder konnte sich im eng miteinander verzahnten Chorhaus sein Plätzchen suchen.

Wie viele Sänger sind aktiv?

Herbertz Wir sind ca. 320 Sänger, davon ca. 45 Kinder, 50 Jugendliche.

Was tun Sie, um den Nachwuchs zu fördern?

herbertz Wir setzen schon sehr früh bei Vorschulkindern an. Wo hauptamtliche Chorleiter früher sporadisch in die Kindergärten gegangen sind, um die anstehenden Feste und Gottesdienste musikalisch mit den Kindern zu gestalten, haben wir das nun auf eine kontinuierliche Schiene gesetzt. Das wöchentliche Singen eines musikalischen Leiters mit den Vorschulkindern ist ein tolles Angebot für die Kitas St. Katharina in Hackenbroich, Zur Heiligen Familie in Horrem und der Caritas-Kita Unter den Hecken in der Stadtmitte geworden. Dieses fundamentale Arbeiten fördert die Sprachentwicklung, das Körperbewusstsein und das soziale Verhalten. Unser Wunsch ist natürlich, dass die Kleinen so viel Spaß daran haben, dass sie in unserem Kinderchor weitersingen. Die Übernahmequote ist zurzeit sehr gut.

Hat das gemeinsame Chorhaus das Gemeinschaftsgefühl in der erst im Jahre 2009 aus fünf Kirchen fusionierten Pfarrgemeinde St. Michael gestärkt?

Herbertz Das hat sicher dazu beigetragen, dass nicht mehr so ortsteil- oder kirchenbezogen gedacht wird. Es ist schön, wenn Jugendliche und Erwachsene auch durch das Chorhaus mit Orten der Begegnung und der Spiritualität in Berührung kommen. Da steckt dann auch viel Heimat im Chorhaus. Wir haben uns bewusst dafür entschieden, mit dem Chorhaus in der Kirchengemeinde zu bleiben, sind aber in der Literaturauswahl nicht zwingend an die sakrale Musik gebunden. So wird dann auch mal das Karnevalslied "Wenn am Himmel die Stääne danze" gesungen.

Welche neuen Gruppierungen sind in den vergangenen fünf Jahren im Chorhaus zu den bereits bestehenden dazugekommen?

Herbertz Gute Beispiele sind der Jugendchor "Voice over" und der Studi-Chor, der seit neuestem den namen "TonArt" trägt sowie der Seniorenchor "Klangherbst". Der Studi-Chor hat sich aus dem Jugendchor heraus entwickelt. Die Studenten, die bedingt durch ihre Studienorte nicht unbedingt mehr an den wöchentlichen Proben teilnehmen können, verpflichten sich für einzelne Projekte. Deren Arbeitsphasen werden dann an bestimmten Wochenenden in einer Art Intensivworkshop angeboten. Das läuft sehr gut, wir konnten dadurch auch mehrere Interessenten gewinnen, die nicht aus der Chorhaus-Familie stammen. Und Klangherbst ist ein tolles Beispiel dafür, wie wir im Chorhaus mit älteren Mitgliedern umgehen: Gab es früher für altverdiente Sängerinnen und Sänger nur die Möglichkeit, aus dem Chor auszuscheiden, wenn Zeit, Gesundheit oder Stimme nicht mehr den Anforderungen genügten, können sie jetzt zwar noch regelmäßig und auch mit Anspruch, aber dennoch ohne Druck in "Klangherbst" singen. Der mit über 50 Senioren besetzte Chor ist eine echte Bereicherung.

Wie geht es in den nächsten Jahren weiter mit dem gemeinsamen Chorhaus St. Michael?

Herbertz Wir freuen uns, dass so viele Menschen mit Herzblut im und für das Chorhaus arbeiten. Jetzt müssen wir Hauptamtlichen auch dafür sorgen, dass es gute Nachfolger gibt, so dass wir mittelfristig zumindest einen Teil der Verantwortung und Mitbestimmung an junge Musiker und deren Administrationen abgeben können. Ich habe immer erwartet, dass wir mindestens zehn Jahre brauchen, um stabile Strukturen im Chorhaus zu schaffen. Übrigens funktioniert auch die Kooperation mit der Musikhochschule Köln sehr gut, aus der wir zum Teil unsere jungen Chorleiter gewinnen konnten, was besonders der Kinder- und Jugendchorarbeit zugutekommt. Das Chorhaus ist kein geschlossenes Haus, wir kooperieren sehr gut mit der Stadt, den Schulen, Kitas und Vereinen. Darauf können wir aufbauen. Auch Gönner und Sponsoren unterstützen uns zum Glück.

Was ziehen Sie selbst aus Ihrer Chorhaus-Arbeit?

Herbertz Ich bin sehr dankbar für die vielen Begegnungen, aus denen ich auch viel gelernt habe. So ist die andere Art der jungen Chorleiter, mit Stimme und Sängern, zum Beispiel mit "Voice Painting", umzugehen, für mich, der ich hauptsächlich aus der klassischen Chorleitung komme, sehr erfrischend und spannend. Musik ist ein großer Schatz, der von Abwechslung lebt: Ich mag Gregorianische Gesänge ebenso wie Chart-Songs von 2017. Und so freue ich mich immer wieder, gemeinsam mit den Chorhaus-Sängern die Programme zu entwickeln und diese dann zu erarbeiten.

CARINA WERNIG FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: NGZ
 
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