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Dormagen
"Im Namen der Raute" war ein Fest

Dormagen. Das Berliner Kabarett "Die Distel" gastierte in der ausverkauften Kulturhalle.

Nach dem grandiosen Erfolg, den das Berliner Kabarett-Theater "Die Distel" bei seinem ersten Auftritt in Dormagen im vergangenen Jahr hatte, wunderte es nicht, dass die Kulturhalle nun erneut ausverkauft war. Das neue Programm "Im Namen der Raute" hatte noch der künstlerische Leiter Martin Maier-Bode geschrieben, bevor er Ende vergangenen Jahres zum Düsseldorfer "Kom(m)ödchen" wechselte.

Seine Satire spielt direkt im Berliner Regierungsviertel: Merkel hat Obama ins exklusive Hotel Adlon eingeladen, in der Vorbereitung geben sich BND, CIA und NSA die Klinke in die Hand, als Gerüchte um eine Entführung die Runde machen. Das entpuppt sich als köstliche Brautentführung, die zu kabarettistischen Verwicklungen führt, die immer wieder mit aktueller politischer Brisanz durchzogen sind.

So kommt Edgar Harter, der am Tag vor dem Dormagener Gastspiel sein 40-jähriges Bühnenjubiläum bei der "Distel" feierte, mit dem Roller auf die Bühne: "Der hat weniger Abgaswerte als VW!" Timo Doleys, der vor der "Distel" fünf Jahre beim Neusser Landestheater engagiert war, brilliert in wechselnden Rollen, super seine Angela Merkel im Ehebett. Der Star aber ist zweifellos Caroline Lux, die ihren stärksten Auftritt als Uschi von der Leyen in Gestik, Mimik und Sprache hat. Sie kümmert sich um die Heeresmusik zum Staatsempfang und legt ganz nebenbei mit Intimfeind Siggi Gabriel ein Tänzchen hin. Die Eleganz und Professionalität verrät dabei viel über ihre Zeit als Balletttänzerin am Essener Aalto-Theater.

Tanz und Musik spielen ein große Rolle bei der Distel. Etliche Songs sind einfach nur wunderbar, die perfekte Begleitung liefern Tilman Ritter (Piano, Keyboard) und Falk Breitkreuz, der Saxofon, Klarinetten, Querflöte und Schlagzeug spielt. Im Lied bekommen Politiker ihr Fett weg, das wirkt milder: "Wir werden seit zehn Jahren von einem Hosenanzug regiert!" Ob Obama den bayerischen Ministerpräsidenten Seehofer, "den Rechtspopulisten", treffen sollte, darüber sollte er nochmals nachdenken. Und auch Gedankenspiele des Bundespräsidenten zu Krieg und Frieden klingen im Klaus-Lage-Lied "1000 mal gehört" weniger bedrohlich: "Noch ist zum Glück nichts geschehen."

(Nima)
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