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Dormagen
Immer mehr Aussteiger aus Inklusionsklassen

Dormagen: Immer mehr Aussteiger aus Inklusionsklassen
Gabriele Fritz, Leiterin der Chorbuschschule in Dormagen, erhält regelmäßig Anfragen zu einer möglichen Rückkehr von Kindern an die Förderschule. FOTO: LBER
Dormagen. Die Förderschulen im Rhein-Kreis Neuss verzeichnen zunehmend Rückkehrer aus dem Gemeinsamen Unterricht an Regelschulen. Von Stefan Schneider

Für eine Reihe von Kindern und Jugendlichen mit besonderem Förderbedarf aus dem Rhein-Kreis Neuss sind die Hürden des Gemeinsamen Lernens an Regelschulen zu hoch. Das geht aus der Antwort der Kreisverwaltung auf eine gemeinsame Anfrage der CDU- und FDP-Kreistagsfaktionen hervor. Demnach ergibt sich folgendes Bild: Während im gesamten Schuljahr 2013/2014 insgesamt 13 Schüler allein vom Gemeinsamen Lernen der Klasse 4 in eine Klasse 5 der Förderschule gewechselt sind, erhöhte sich diese Zahl auf 23 Schüler im laufenden Schuljahr 2015/2016 allein bis zum Dezember 2015. Aktuellere Zahlen lägen noch nicht vor, sagte Kreissozialdezernent Tillmann Lonnes am Freitag auf Anfrage unserer Redaktion.

Die Anzahl der Rückkehrer aus dem Gemeinsamen Lernen in die Förderschulen wachse, hieß es jedenfalls in einer Tischvorlage für die Kreistagssitzung am 15. Dezember 2015. Die Christdemokraten fühlen sich bestätigt. "Der Erhalt unserer Förderschulen war richtig", erklärt Birte Wienands die schulpolitische Sprecherin der CDU. "Als CDU haben wir immer die Auffassung vertreten, dass der inklusive Unterricht nicht für alle Schüler mit Förderbedarf geeignet ist. Der aktuelle Trend zurück in Richtung Förderschulen bestätigt dies." Die Christdemokraten unterstreichen in einer Pressemitteilung, dass die Wahlmöglichkeit der Eltern erhalten bleiben müsse.

Gabriele Fritz leitet die Förderschule am Chorbusch in Dormagen. Sie bestätigt, dass viele Eltern die Rückkehr ihres Kindes aus dem Gemeinsamen Lernen an einer Regelschule an eine Förderschule zumindest in Erwägung ziehen. "Im Schnitt haben wir hier an der Chorbuschschule jeden Monat eine entsprechende Anfrage", berichtet sie. Immer wieder meldeten sich verzweifelte Eltern, deren gehandicaptes Kind an der Regelschule kreuzunglücklich sei. Dabei verschärften sich die Probleme ab Klasse 6 sogar noch deutlich. "In der Grundschule und in Klasse 5 ist das Bewusstsein oft noch nicht da, wie groß die Unterschiede sind", erklärt Fritz, die selber eine lernbehinderte Tochter hat und somit aus eigener Erfahrung sprechen kann. Dann aber rücke der Leistungsgedanke immer stärker in den Vordergrund, und auch die Probleme der Pubertät machten sich bemerkbar. Jugendlichen mit Förderbedarf fehle in dieser Zeit an Regelschulen oft die Peer-Gruppe mit Gleichaltrigen in ähnlicher Situation. Zudem fehle den Lehrern oft die Zeit für ausreichende Betreuung.

Für den Grevenbroicher Schuldezernenten Michael Heesch ist das Gemeinsame Lernen ein Grund dafür, dass die erfolgreich arbeitende Martin-Luther-King-Schule in Frimmersdorf 2014 nicht mehr die erforderliche Schülerzahl erreichte. "Die schwindenden Zahlen waren eine Folge der Inklusion. Die Schule musste geschlossen und mit der am Chorbusch in Dormagen zusammengelegt werden", erinnert Heesch. Rückblickend sei dies aber eine gute Entscheidung gewesen: "Aus zwei schwachen Systemen ist ein starkes geworden."

Quelle: NGZ
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