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Dormagen
Immer weniger Schwalben in Dormagen

Dormagen: Immer weniger Schwalben in Dormagen
Die Zahl der Schwalben ist rückläufig. FOTO: www.pixabay.com
Dormagen. In Delhoven hatten die Tiere kürzlich zwei Nester direkt am Abstellplatz für die Einkaufswagen gebaut. Insgesamt ist die Zahl der Schwalben-Brutpaare in Dormagen aber stark rückläufig. Das hat indirekt auch mit Hygiene-Vorschriften zu tun. Von Stefan Schneider

Willi Schmidtsiefen ist Naturliebhaber und engagiert sich als ehrenamtlicher Helfer in der Biologischen Station in Knechtsteden. Dass er in Delhoven an der Schwalbenstraße wohnt, ist zwar wahrscheinlich purer Zufall, passt aber in diesem Fall wie die Faust aufs Auge. Denn Schmidtsiefen machte unsere Redaktion auf zwei Schwalbennester unter dem schützenden Dach des Einkaufswagenunterstandes am Rewe-Supermarkt in Delhoven aufmerksam. Mindestens ein Schwalbenpaar habe dort gebrütet, berichtete Schmidtsiefen - und verband seine Beobachtung gleich mit einer Frage: "Ob das wohl ein Hoffnungsschimmer ist?" Denn der Vogelfreund beobachtet einen starken Rückgang der Tiere in Dormagen.

Früher sei das anders gewesen, erinnert sich Schmidtsiefen: "Selbst 2011 gab es allein in Delhoven noch etwa 15 Brutpaare." In noch früheren Zeiten seien es 100 und mehr gewesen. Diplom-Biologe Michael Stevens, wissenschaftlicher Leiter und Geschäftsführer der Biologischen Station in Knechtsteden, bestätigt, dass Schwalben viel seltener geworden sind. Und der Experte hat dafür auch eine Erklärung. "Das hängt viel mit dem Viehbestand zusammen", sagt Stevens. Durch Konzentration auf Großbetriebe sinke die Zahl der viehhaltenden Bauernhöfe. Gerade dort aber hätten die Schwalben in Form von dicken Fliegen, Bremsen und anderen besonders in der Viehwirtschaft häufig anzutreffenden Fluginsekten ihre Nahrung gefunden.

Indirekt hat der Schwalbenrückgang laut Stevens auch mit der Gesetzgebung zu tun. Früher seien Kuhställe offen gewesen, Rauchschwalben hätten dort auch bei schlechtem Wetter sehr gut Beute jagen können. Heute müssten die Kuhställe in der Regel aufgrund von Hygiene-Vorschriften abgeriegelt sein - neben den Insekten blieben so auch die Schwalben außen vor. Immerhin: Durch Pferdebetriebe, für die die Anordnungen in diesem Punkt nicht so streng seien, werde diese Entwicklung zum Teil kompensiert.

Erschreckend aber: Stevens benennt als weiteren Faktor - der nicht nur Schwalben das Überleben schwer macht - dramatische Rückgänge bei den Fluginsekten insgesamt. "Seit Mitte der 1980er Jahre ist die Biomasse in diesem Sektor um 70 bis 80 Prozent gesunken", berichtet Stevens. Das hätten wissenschaftliche Auswertungen gezeigt. Nicht zuletzt die Folge von Pflanzenschutzmittel-Einsatz, meint der Biologe.

1991 und 2011 hat es in Stürzelberg Erhebungen der Brutbestände von Mehl- und Rauchschwalben gegeben. Die zweite Untersuchung von Frederik Sachser im Rahmen seiner Bachelorarbeit war von Michael Stevens begleitet worden. Schon innerhalb dieses Zeitraums von 20 Jahren war ein Rückgang der Schwalbenbestände um 31,5 Prozent festgestellt worden. In Delhoven zwischen Schule und Feuerwache hatten Naturschützer vor einigen Jahren ein Schwalbenhaus errichtet, um die Vögel zu unterstützen. Es sei von den Tieren aber nicht angenommen worden, erzählt Willi Schmidtsiefen.

Quelle: NGZ
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