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Dormagen
Ineos meldet 14 Verletzte erst mit Verzögerung

Feuerwehr-Einsatz auf dem Ineos-Gelände
Feuerwehr-Einsatz auf dem Ineos-Gelände FOTO: Patrick Schüller
Dormagen. Die durch Zerbrechen einer Berstscheibe ausgelöste Detonation hatte schwerwiegendere Folgen als zunächst mitgeteilt. Von Stefan Schneider

Die Detonation, die am Freitag um kurz nach 18 Uhr viele Dormagener aufgeschreckt hatte und auf das Anspringen einer Sicherheitseinrichtung in einer Anlage von Ineos an der Stadtgrenze zu Köln zurückzuführen war, hatte schwerwiegendere Folgen, als das Petrochemie-Unternehmen zunächst gemeldet hatte. Am Freitag um 18.59 Uhr hatte Ineos mitgeteilt, dass eine sogenannte Berstscheibe zerbrochen sei - ein als Sicherheitsvorkehrung dienender Vorgang, der dafür sorgt, dass plötzliche starke Druckanstiege in Anlagen entspannt werden können. "Die Werksfeuerwehr ist im Einsatz und hat die Lage unter Kontrolle. Es besteht keine Gefahr für die Bevölkerung", hieß es in der Mitteilung von 18.59 Uhr. Von Verletzten war zu diesem Zeitpunkt keine Rede.

Erst am späten Freitagabend gegen 22.30 Uhr meldete Ineos: Man bedauere, "mitteilen zu müssen, dass es insgesamt 14 Krankenfahrten gab. Beschäftigte von Partnerfirmen, die zurzeit aufgrund laufender Wartungsarbeiten vor Ort tätig sind, wurden prophylaktisch in ärztliche Behandlung gebracht." Am Samstag gegen 15.30 Uhr ergänzte Ineos: "In der Zwischenzeit sind alle Partnerfirmenbeschäftigte aus der vorsorglichen Untersuchung entlassen worden und sind - je nach Einsatzplan - entweder zurück am Arbeitsplatz oder in ihrer Freizeit."

Das Zerbrechen von Berstscheiben kommt bei Ineos desöfteren vor und ist mit einer weithin hörbaren Detonation verbunden. Ähnliche Vorfälle hatte es bei Ineos zuletzt im März dieses Jahres und im Dezember 2016 gegeben.

Ineos betreibt am Standort neben dem Chempark Dormagen mehrere Anlagen zur Herstellung von Polyethylen, darunter zwei Anlagen im Hochdruckverfahren. In diesen Anlagen werden nach Unternehmensangaben Ethylenmoleküle unter hohem Druck zu Ketten, dem sogenannten Polyethylen, zusammengefügt. Hoher Druck bedeute in diesem Fall etwa 2000 bar (Fahrradreifen=2 bar). Plötzliche starke Druckanstiege führten zum Auslösen der Sicherheitseinrichtungen. Die Anlage werde abgeschottet, automatisch heruntergefahren und so in einem sicheren Zustand abgestellt. Ein spontaner Druckanstieg werde über die platzende Berstscheibe und Ausblasrohre nach oben in die Atmosphäre entspannt.

Quelle: NGZ
 
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