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Dormagen
Integrationsrat will junge Migranten schützen

Dormagen: Integrationsrat will junge Migranten schützen
Sich im Alltag gegen Rassismus zu entscheiden - darum warb eine Veranstaltung des Integrationsrates in Dormagen. Die Polizei wurde mit generellen Vorwürfen konfrontiert, Migranten unverhältnismäßig oft zu kontrollieren. FOTO: Salzburg/dpa
Dormagen. Den täglichen Rassismus erkennen und sich gegen ihn entscheiden, dafür warb eine Veranstaltung des Integrationsrates jetzt im Ratssaal. Von Carina Wernig

Menschen für weniger klug oder fähig zu halten, nur weil sie anders aussehen oder woanders herkommen. Ausgrenzen, Anpöbeln, Beleidigen und Gewalt Anwenden - die Facetten der Diskriminierung und des alltäglichen Rassismus sind vielfältig. "Dies ist Vielen gar nicht so bewusst, dennoch kann sich jeder gegen Rassismus entscheiden", erklärte Anne Broden vom Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit in NRW. Sie referierte im Rahmen der Interkulturellen Woche des städtischen Integrationsrates im mit rund 50 Zuschauern gut gefüllten Dormagener Ratssaal über "Rassistische Diskriminierung von Jugendlichen mit ,Migrationshintergrund'".

Dass Dormagen nicht die "Insel der Glückseligen" ist, machte Anne Broden schnell klar. Zurücksetzung und Ausgrenzung der "Anderen" könne sich auch auf ganz alltägliche Dinge beziehen, verweis die Referentin auf mehr als 50 Prozent der Bevölkerung, die schon mal rassistisches Gedankengut gutgeheißen habe. Es werde genutzt, um Ungleichheit und Unterdrückung zu rechtfertigen. Dabei gehe es auch um Einschätzungen in der Schule: "Bei einem schüchternen Kind mit Migrationshintergrund wird oft automatisch angenommen, es habe Sprachdefizite und komme in der Schule nicht mit, statt es zur Mitarbeit zu ermuntern", erklärte Broden. Neben Lehrern ging sie auch auf Polizisten ein, die unterschwellig oft Menschen mit Migrationshintergrund kontrollieren würden: "Das ist ihr Auftrag: Überprüfen, ob sich die Leute rechtmäßig hier aufhalten - und wie sollen sie auch selektieren als über Hautfarbe und Aussehen?" fragte die Referentin provokant. Während die Rapper von "Sivaz" mit ihrem Lied "Achtung, Kontrolle!" genau dieses Missverhältnis aufgriffen, sah Opferschutzbeauftragter Franz-Josef Rytlewski die Polizei im Rhein-Kreis Neuss nicht auf der Anklagebank: Bisher hätten sie auf solche Vorwürfe nicht reagieren müssen, weil es sie hier nicht gegeben habe. Gerade in der Polizeiwache in Dormagen seien viele Polizisten mit Migrationshintergrund tätig, was auch der Verständigung mit der Bevölkerung diene.

"Jugendliche - egal welcher Nation - dürfen nicht von Institutionen benachteiligt werden", ging Mehmet Güneysu, Vorsitzender des Dormagener Integrationsrates auf schlechtere Chancen bei Ausbildungs- oder Arbeitsplatzsuche für Migranten ein. Auch die Vize-Vorsitzende des Landes-Integrationsrates, Xenia Sakelsek, betonte: "Es darf keine Benachteiligung wegen Hautfarbe, Geschlecht, Alter oder Religion geben." Vize-Bürgermeister Hans Sturm sprach sich für Gleichbehandlung aus.

Mitorganisatorin Bärbel Breuer von der Stadtverwaltung war mit der Veranstaltung zufrieden: "Das war sehr informativ", zog sie ein positives Fazit. Sie möchte mehr Schüler einbinden, daher plant sie für 2016 eine Zusammenarbeit mit einer Schule: "Vielleicht kann dann eine Anti-Diskriminierungs-Projektwoche in die Interkulturelle Woche münden", schlägt sie vor.

Quelle: NGZ
 
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