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Dormagen
Junge Flüchtlinge werden eigenständig

Dormagen: Junge Flüchtlinge werden eigenständig
Mit Helmen jetzt beim Radeln gut behütet: Die Jugendlichen aus der JUMA freuen sich über die Spende und Fahr-Tipps von Wilfried Nöller vom ADFC (r.). JUMA-Leiter Jan Klawitter (M.) fördert die Eigeninitiative der Flüchtlinge. FOTO: L. Berns
Dormagen. Sprache lernen und Lebensweise verstehen: 23 unbegleiteten Flüchtlinge (15 bis 17 Jahre alt) werden in Dormagen vom Diakonischen Werk auf ein selbständiges Leben vorbereitet. Jetzt gab es Fahrrad-Helme und Tipps vom ADFC. Von Carina Wernig

Sie sind wissbegierig, interessiert an ihrer Umgebung und wollen in Dormagen heimisch werden: Dabei helfen Mitarbeiter des Diakonischen Werkes den 23 jungen Flüchtlingen im Alter zwischen 15 und 17 Jahren, die in der Dormagener Innenstadt in der JUMA untergebracht sind - der Jugendeinrichtung für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMA). "Es macht Freude zu sehen, wie schnell sie unsere Sprache lernen und sich zurechtfinden", sagt Jan Klawitter (33), der Leiter der JUMA. Er und sein Team setzen darauf, dass die Jugendlichen aus Afghanistan, Syrien, Irak und Somalia, die ohne ihre Familie in Deutschland sind, so schnell wie möglich eigenverantwortlich am Leben in Dormagen teilnehmen. Alle gehen inzwischen zur Schule und besuchen eigenständig Jugendzentren wie "Die Rübe" in Horrem.

Am Samstag erhielten die jungen Flüchtlinge eine besondere Spende: Wilfried Nöller, Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) Dormagen, überreichte den Jugendlichen Fahrradhelme. "Damit sind sie nun für den Straßenverkehr gut ausgerüstet", erklärt Jan Klawitter, der sich beim ADFC bedankte. Die Fahrräder sind ebenfalls Spenden, die Klaus Güdelhöfer vom Kinder- und Jugendbüro der Stadt organisiert hat. Bereits im Vorfeld gab es Tipps für den Straßenverkehr für die Jugendlichen: "Verkehrsregeln und Tipps wurden auf Arabisch und Farsi als Info-Blatt weitergegeben", sagt Klawitter, der seit November 2015 die Flüchtlinge in der JUMA betreut, für die das Jugendamt die Vormundschaft übernommen hat.

Bisher hat Jan Klawitter nur positive Rückmeldungen erhalten: "Viele Menschen wollen helfen, wir werden geradezu überhäuft mit netten Gesten." Um die Jugendlichen gut zu integrieren, wählt das JUMA-Team, zu dem außer Klawitter noch Sozialpädagogen und Ergänzungskräfte gehören, zum Beispiel Sportangebote aus, bei denen es um Mannschaftssport geht oder wo leicht Kontakte geknüpft werden können: "Beim Fußball können die Jugendlichen schnellstmöglichst Freunde finden", weist Jan Klawitter auf die Integrationskraft des Sports hin. Angebote gibt es reichlich: "Ich könnte aus sechs Vereinen wählen."

Mit vielen Angeboten soll den Jugendlichen die Lebensweise in Dormagen - auch die Mülltrennung und andere Regeln - näher gebracht werden. "Wir wollen ihnen Denkanstöße, auch für ihre Kreativität, geben", sagt der JUMA-Leiter mit Blick auf eine Graffiti-Aktion, Kunst oder Musik. Er hat Hochachtung vor den Jugendlichen, die ihre Heimat verlassen haben und nun allein in einem zunächst fremden Land zurechtkommen: "Das fordert viel Energie, und es wird viel von ihnen erwartet." Während die meisten Jugendlichen in Seiteneinsteigerklassen des Berufsbildungszentrums Dormagen oder der Gesamtschule in Nievenheim gehen, hat es ein Junge auf ein Gymnasium geschafft. "Nachmittags organisieren wir zusätzliche Sprachförderung", erklärt Klawitter. Jeden Tag seien positive Veränderungen zu sehen: "Auch wenn Kulturunterschiede schon mal für Verwirrung sorgen, löst sie sich immer schnell wieder auf."

Quelle: NGZ
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