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Dormagen
Jungen lernen anders als Mädchen

Dormagen. Wie unterschiedlich die Aufnahme von Lerninhalten bei Mädchen und Jungen ist, darüber spricht Professor Peter Struck am 5. Oktober in der Gesamtschule.

Jungen lernen anders als Mädchen, Kinder anders als Jugendliche. Schüler lernen von anderen Schülern doppelt so viel wie von den Lehrkräften, und am meisten lernen sie in Partnerarbeit - also weder allein, noch bei der Gruppenarbeit oder gar im Klassenverband.

Darüber wird am Donnerstag, 5. Oktober, einer sprechen, der sich mit dem Thema jahrelang beschäftigt hat: Professor Peter Struck kommt in die Bertha-von-Suttner-Gesamtschule in Nievenheim (Marie-Schlei-Straße 6). Das Thema seines Vortags ab 19 Uhr lautet "Medienerziehung, Lernbedingungen, Heterogenität im Unterricht". Dabei wird der Erziehungswissenschaftler auch mit einigen Klischees aufräumen. Denn dass Jungen mehr an Computer oder am Tablet sitzen als Mädchen, stimme schon lange nicht mehr. Frauen hätten heute in der Arbeitswelt längst häufiger mit Computern zu tun als Männer. Lernen im Sinne von Verstehen, etwas begreifen, könne man vor allem nachts. Daher sei der Satz "Schlaf noch mal darüber" so richtig, wie Struck betont. Und: "Gute Schulen beginnen morgens mit dem Lernbüro. Neues hingegen müsse man vor allem nachmittags einführen. Neues am Vormittag einzuführen und nachmittags über Hausaufgaben einüben zu lassen, bedeutet 'das Pferd falsch herum aufzäumen'."

Struck ist der Ansicht, dass Kinder vor allem Einzelheiten lernen, Jugendliche dagegen eher Zusammenhänge begreifen wollen. So nehme die Fähigkeit, sich Einzelheiten merken zu können, permanent bis zum 10. Lebenjahr zu, danach bis etwa zum 17. Lebensjahr ab, während die Fähigkeit, Zusammenhänge zu begreifen, etwa vom 14. bis 45. Lebensjahr zunimmt. Am schlechtesten können sich 17- bis 19-Jährige Einzelheiten merken - genau dann aber sind sie in der Oberstufe. 90 Prozent der Jungen lernen durch Handeln, Ausprobieren, Fehler machen, nur zehn Prozent durch Lesen, Zuhören und Zusehen. Bei den Mädchen aber sind es 40 Prozent, die so zum Erfolg kommen. Strucks Fazit: Eine Schule, die beim Lernen auf eben diese drei genannten Methoden setze, benachteilige die Jungen. Struck wird in seinem Vortag aber auch darüber sprechen, wie Gewalt entsteht und präventiv verhindert werden kann, wie man mit AD(H)S-Kindern und Hochbegabten umgeht. Und er thematisiert die Lehrerbelastung. Struck hat Pädagogik, Biologie und Kriminologie studiert, war zehn Jahre Volks- und Realschullehrer, danach vier Jahre Schulgestalter in der Behörde für Schule, Jugend und Berufsbildung in Hamburg. Seit 1979 hat er eine Professur für Erziehungswissenschaft an der Uni Hamburg.

(goe)
 
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