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Dormagen
Junges Festival entzückt mit einem besonders liebevollen Programm

Dormagen. Till Eulenspiegel, zauberhaft musikalisch und mit österreichischem Akzent, bespielbare Klangskulpturen und -Apparate, Instrumente wie aus einer Märchenwelt zum Ausprobieren, selbst Instrumente basteln oder Buttons machen, zwischendurch etwas essen und trinken und das alles in einem stimmungsvollen historischen Klosterhof. Was will man mehr bei einem "Jungen Festival" - im Rahmen des Festivals Alte Musik Knechtsteden? Vielleicht alte Musik? Aber man möchte ja nicht zu spitzfindig sein, in Anbetracht des ausgesprochen liebevoll gestalteten Programms. Von Christian Oscar Gazsi Laki

Bereits beim ersten Blick in den Kulturhof wurden Kinder und Erwachsene zugleich von einer nahezu das gesamte Gelände in einen Klanggarten verwandelnden Fantasiewelt empfangen. Es fehlte nicht an ganz kuriosen und traumhaft verspielten Klang-Maschinen, Rädern und Instrumenten. Allesamt von dem französischen Künstler und Instrumentenbauer Etienne Favre geschaffen, bildeten sie den Kernpunkt des Open-Air-Bereichs und luden ein, mit Klang zu experimentieren und wahrnehmen zu lernen, wie sich einzelne Klangmomente zu so etwas wie einer musikalischen Struktur verbinden können. Es ratterte, schallte, hupte oder läutete von überall her.

Im Bullenstall war Till Eulenspiegel zu Gast. Ulrike Neukamm und ihre "Sockenkonzerte" brennen für inspirierte Musikvermittlung. Die Kölner Konzertreihe heißt so, weil sie ursprünglich in den Räumen einer Karateschule stattfand und dort das Tragen von Schuhen unerwünscht war. Nun brachte man, durch den charmanten Auftritt des Ensembles "Eu-lens-pi-egel", die Geschichte des schelmischen Till, unter Zuhilfenahme von Richard Strauss "Till Eulenspiegels lustige Streiche", dem jungen Publikum nahe. "Till erzählt" - eine leicht inszenierte halb-szenische Reise in die Welt von Strauss' sinfonischer Dichtung - ist ein Paradebeispiel gelungener Musikvermittlung. Die Österreicher Florian Hasenburger, Violine, Eulenspiegel und Ideengeber in Personalunion, Sebastian Rastl, Kontrabass, Gregor Narnhofer, Klarinette, Klaus Leherbauer, Horn und Matthias Kronsteiner, Fagott, bewiesen, dass mit feindosiertem Spaß, Ironie für die Größeren und einem Hauch Spannung auch komplexe Musik für offene Herzen bei Kindern sorgt. Die fünf anspruchsvoll spielenden Instrumentalisten zeigten auch, dass es besser ist, Kinder geschickt zur Musik zu führen und nicht die Musik vermeintlich kindgerecht zu banalisieren. Was andernorts leider passiert. Hier war alles rundherum gelungen.

Quelle: NGZ
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