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Dormagen
Jurist aus Syrien übersetzt für Landsleute

Dormagen: Jurist aus Syrien übersetzt für Landsleute
Der deutschen Sprache ist Salaheddin Fadel gewachsen, aber er will noch viel besser werden. Der Syrer hilft Landsleuten bei Behördengängen, wo er als Übersetzer fungiert. FOTO: Andreas Woitschützke
Dormagen. Salaheddin Fadel ist dem Krieg in seiner syrischen Heimat entronnen. In Dormagen sieht der studierte Jurist eine neue Heimat und will hier Fuß fassen. In der Anwaltskanzlei ADK absolviert er zurzeit ein Praktikum. Von Melanie van Schydel

Salaheddin Fadel kam vor knapp zwei Jahren nach Deutschland. Der Weg aus Syrien führte ihn wie viele andere zunächst in die Türkei, dann über Griechenland und Ungarn nach Deutschland. Aufgenommen in Dortmund kam er über einen kurzen Aufenthalt in Linnich schließlich vor ungefähr eineinhalb Jahren in Dormagen an. Seit Februar macht der 30-jährige ein Praktikum bei Rechtsanwalt Thomas Merbeck in der Kanzlei ADK. "Er hat sich ganz klassisch hier um eine Praktikumsstelle beworben, und die Bewerbung war komplett auf Deutsch geschrieben, wirklich super", erzählt Merbeck.

Fadel hat in Syrien Jura studiert, dort auch sein Examen gemacht, wegen des Krieges aber keine Möglichkeit zu einem Praktikum gehabt. "Er hat so studiert wie wir hier auch, hat tolle Zeugnisse - ich dachte, so jemandem wie ihm müssen wir hier auf jeden Fall eine Chance geben, damit er mit diesen juristischen und sprachlichen Kenntnissen eine Perspektive hat", sagt Merbeck. Fadel hat in der kurzen Zeit in Deutschland die Sprache intensiv gelernt und spricht schon sehr gut Deutsch. "Ich habe gerade den Deutschkursus mit Level B1 bestanden, möchte aber noch weiter machen und auch B2 und C1 machen, denn die Sprache ist der Schlüssel für alles", erklärt er. Um mit Menschen in Kontakt zu kommen, hier eine Perspektive zu haben und sich ein Leben aufzubauen, sei es am wichtigsten, die Sprache gut zu beherrschen, meint Fadel. "Ich kann nicht verstehen, dass manche Leute seit zehn Jahren oder länger schon in Deutschland leben und die Sprache immer noch nicht gut sprechen können. Dann kann man auch keinen Arbeitsplatz und keine Wohnung erwarten", sagt er. Dabei war es auch für den ehrgeizigen jungen Juristen nicht leicht, hier Fuß zu fassen. Nicht nur die Sprache ist zunächst fremd, auch die Kultur ist völlig anders, es gibt andere Regeln und Gebräuche, an die man sich erst gewöhnen muss. Am schwierigsten sei die Wohnsituation gewesen, sagt Fadel.

Zu Anfang hat er mit neun Männern in einer Drei-Zimmer-Wohnung mit einem Bad gewohnt. Auf so engem Raum war es natürlich schwierig, zu lernen oder etwas Ruhe zu finden. Mittlerweile hat er mit zwei anderen Syrern eine Drei-Zimmer-Wohnung gefunden, in der er sich wohlfühlt. In der kurzen Zeit in Dormagen konnte er schon einige Kontakte knüpfen. Er macht gern Sport und hat sich im Fitnessstudio angemeldet, um dort andere Leute zu treffen. Bei der Stadt hilft er ehrenamtlich als Übersetzer, so begleitet er arabische Migranten zum Arzt, ins Jobcenter oder zum Amt, um bei sprachlichen Schwierigkeiten zu helfen. "Dormagen ist für mich ein tolle Chance, eine gute Zukunft zu haben", erzählt Fadel.

Seine Familie, die weiter in Syrien lebt, vermisst er natürlich. Einer seiner vier Brüder lebt seit drei Jahren in Essen, und die beiden treffen sich alle drei bis vier Wochen - so gibt es doch ein kleines bisschen Heimat im neuen Land. "In Syrien kann ich nicht mehr arbeiten. In Deutschland habe ich so viele Möglichkeiten, da bin ich sehr dankbar."

Quelle: NGZ
 
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