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Dormagen
Kampfschule boomt - Vereine warten ab

Dormagen: Kampfschule boomt - Vereine warten ab
"Die Nachfrage nach Karatekursen ist in den vergangenen Wochen gestiegen, vor allem bei Frauen", sagt Sascha de Vries (mit Brille). FOTO: Lothar Berns
Dormagen. Karate, Judo, Ju-Jutsu, Taekwondo werden in Dormagener Vereinen angeboten. Einen Zulauf können die Vereine nach den Vorfällen in Köln allerdings noch nicht vermelden. Das sieht bei der Kampfsportschule de Vries ganz anders aus. Von Julia Hagenacker und Anneli Goebels

Sascha de Vries sieht nicht aus wie eine Kampfmaschine. Für einen Mann ist er nicht außergewöhnlich groß, er trägt eine randlose Brille und einen angedeuteten Bart. Typ: sportlicher Maschinenbaustudent. Das breite Kreuz und die kräftigen Arme lassen allenfalls erahnen, dass ein gezielter Schlag des Grevenbroichers einen Gegner im Notfall ins "Land der Träume" versetzt. Tatsächlich wäre das möglich, denn Sascha de Vries ist ein Kämpfer - in sportlicher, privater und unternehmerischer Hinsicht.

Die Karate-Fachsportschule des zweifachen Karate-Weltmeisters und ehemaligen lizenzierten Ausbilders für waffenlose Selbstverteidigung bei der deutschen Militärpolizei im Verteidigungsministerium ist mittlerweile in zwölf Städten in NRW vertreten. Hauptsitz ist die Zentrale mit rund 1000 Quadratmetern Fläche an der Eschenstraße in Grevenbroich-Gindorf. In Dormagen und Rommerskirchen bietet er bis jetzt "nur" Karatekurse für Kinder an (Delrath, Johanneshaus, Rommerskirchen, Fitness-Studio "Warm up" und Hoeningen in der Kastanienschule), geht aber davon aus, dass das Angebot sich auch noch auf Erwachsene ausdehnen wird.

"Wir sind kein Verein, sondern eine private Karate-Sportschule - meines Wissens nach die zweitgrößte in Deutschland und mit Sicherheit die am schnellsten wachsende", sagt de Vries und fährt fort: "Karate als Sport zur Persönlichkeitsstärkung und Selbstverteidigung liegt im Trend, und das nicht nur, aber gerade nach den Vorfällen von Köln. Unsere Kurse für Kinder und Erwachsene sind rappelvoll, weil das Bedürfnis nach Sicherheit nun einmal da ist - immer."

De Vries hat mittlerweile rund 1400 Kunden, beschäftigt 34 Mitarbeiter, davon 19 Vollzeitkräfte, zehn Auszubildende und einen Dual-Studenten. In diesem Jahr will er nach Österreich und in die Schweiz expandieren. "Einer unserer Mitarbeiter betreibt die Schulen dort dann als Franchise-Unternehmen", sagt de Vries. "Wer bei uns eine Ausbildung macht, bekommt auch die Chance, sich zu beweisen. Es ist ein Versuch, wir werden sehen, wie's läuft."

Die Masse sei es nicht, die jetzt nachfrage, dennoch gibt es beim TSV Bayer Dormagen die ersten Überlegungen, einen Selbstverteidigungskurs für Frauen anzubieten, wie Rainer Lisson, Sprecher vom TSV, sagt. "Allerdings", schränkt Lisson ein, "ist das auch davon abhängig, ob wir einen entsprechenden Raum und einen Trainer finden." Mindestens 15 Anmeldungen müssten schon vorliegen, damit das Angebot zustande kommen könne. Kurse wie Judo und Ju-Jutsu, die beim TSV für Kinder ab fünf Jahren schon lange zum Standard gehören, seien immer gut belegt - unabhängig von irgendwelchen Ausschreitungen.

Auch die Judoabteilung des VdS Nievenheim wird derzeit nicht von Anfragen bombardiert, wie deren Abteilungsleiter Frank Beyersdorf mitteilt. Allerdings sei "Judo als Gewaltprävention" derzeit auch noch nicht im Angebot. Detlev Zenk, Vorsitzender des AC Ückerath, meint, dass Frauen oder Männer, die jetzt rasch einen Crashkurs in Selbstverteidigung machen wollen, sicher nicht zu seinem Club kommen, in dem überwiegend mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet werde oder wie bei den Frauen Hochleistungssport betrieben werde. Von einem plötzlichen Zulauf kann auch Peter Zimmermann von der Judoabteilung des TuS Germania Hackenbroich nicht reden. "Leider", sagt er, "denn dieser Sport", wirbt er, "eignet sich nicht nur zur Verteidigung, sondern dient vor allem auch der Persönlichkeitsentwicklung." Er selber habe erst als Erwachsener mit Judo begonnen. "Seitdem trete ich viel sicherer auf", sagt er.

Quelle: NGZ
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