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Dormagen
Katholische Kirche vor harten Einschnitten

Dormagen: Katholische Kirche vor harten Einschnitten
Zum Neujahrsempfang ist die Kirche St. Michael in Dormagen voll besetzt - Pfarrer Stelten setzt auf das Pastoralkonzept. FOTO: L. Hammer
Dormagen. Diözesanrat-Vize Hüsch prophezeit "umwälzende Veränderungen". Pfarrer Stelten sieht vieles in Dormagen schon umgesetzt. Von Carina Wernig und Christoph Kleinau

Die katholische Kirche im Erzbistum Köln steht vor umwälzenden Veränderungen. "Unsere derzeitige Struktur ist nicht zu halten", stellt Cornel Hüsch fest, der stellvertretende Vorsitzende des Diözesanrates der Katholiken. "Ein erneuter Perspektivenwechsel ist nötig. Der schmerzhafteste bisher", sagte Hüsch, der dem höchsten Laiengremium seit einem Jahr angehört, vor der Neusser Bürgergesellschaft.

Einschnitte und veränderte Struktur, beides sieht Pfarrer Peter Stelten von St. Michael in Dormagen auf Nachfrage zu einem großen Teil bereits umgesetzt: "Wir haben ein Pastoralkonzept erarbeitet, das im Süden die Fusion von fünf Kirchen zu St. Michael abbildete." Im Norden entstand der Seelsorgebereich mit sechs Kirchen. Daher hält Stelten den Wegfall der Dekanatsebene, die bald geplant ist, für folgerichtig und sinnvoll: "Zwischen den beiden Bereichen in Dormagen und dem Kreisdekanat bedarf es einer weiteren Ebene des Dekanates Grevenbroich/Dormagen."

Die stärkere Mitbestimmung der Laien auch in Fragen der Pastoral, die auch Hüsch in seinen Jahren an der Spitze des Kreiskatholikenrates oft und meist vergeblich einforderte, ist jetzt in Reichweite. "Das Wachsen der Kirche", so sagte Hüsch, "wird nicht scheitern am Bischof oder an den Priestern. Wenn es scheitert, dann an uns." Dass sich etwas ändern wird, hatte Kölns neuer Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki schon in seinem Fasten-Hirtenbrief aufgezeigt, jetzt wird es an Fakten ablesbar. Erstmals in der Geschichte des Erzbistums hat Woelki am Mittwoch mit Petra Dierkes eine Frau an die Spitze der Hauptabteilung Seelsorge im Erzbistum berufen. Für Hüsch ein deutlicher Fingerzeig, dass die neue Generation im Hirtenamt auf Veränderung der Kirche drängt.

Die aber kommt an den Fakten nicht vorbei. In den nächsten zehn Jahren wird die Zahl der Katholiken im Erzbistum von 2,1 auf 1,8 Millionen sinken, die der Priester im aktiven Dienst von 448 auf rund 350. Die werden künftig eine andere Rolle spielen müssen, sagt Hüsch. Jahrelang seien die leitenden Pfarrer geschult worden, um ihre Seelsorgeverbände zu verwalten.

Das werde ihnen jetzt wieder abgewöhnt werden müssen. Ab 2017 sollen sie für die administrativen Aufgaben einen hauptamtlichen Geschäftsführer an die Seite gestellt bekommen. Diese Entwicklung sieht Pfarrer Stelten für sich persönlich gelassen: "Ich bin Seelsorger - und das bin ich immer gewesen", betont er, dass er die Verwaltungsarbeit gemeinsam mit einem Team aus Verwaltungsreferent, Kirchenvorstand und Kämmerer und anderen stemmt: "Da verzetteln wir uns sowieso nicht in Kleinigkeiten", erklärt Stelten.

Entwickeln sich die Zahlen der Katholiken und dort besonders der Kirchgänger wie prognostiziert, wird schon bald in etwa jede dritte Kirche als Gotteshaus nicht mehr benötigt - das werde auch die Gemeinden im Rhein-Kreis treffen, sagte Hüsch. Dagegen hält Pfarrer Stelten seine Auffassung, dass nicht eine Kirche in Dormagen überflüssig sei: "Wir haben viele Orte kirchlichen Lebens, die alle wichtig sind", sagt Stelten, der auch auf Kindergärten, das Raphaelshaus, das Kreiskrankenhaus und andere Einrichtungen verweist, in denen Menschen seelsorgerisch tätig sind. Wer als Laie eine gute Idee habe, sei bereits jetzt aufgefordert, sie anzubringen und gemeinsam zu entwickeln, meint Stelten.

Quelle: NGZ
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