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Dormagen
Kindergartenplatz verzweifelt gesucht

Dormagen: Kindergartenplatz verzweifelt gesucht
Monika und Jochen Lieske kritisieren die Kita-Situation in Delhoven. Sie bekommen für Anna (zwei Jahre, mit Bruder Felix) keinen U3-Platz. FOTO: Anja Tinter
Dormagen. Kurze Beine, kurze Wege - dieser Anspruch gilt nicht für alle Kitakinder. In Delhoven sind die Plätze belegt, Eltern werden weiter entfernte Alternativen angeboten, die mit Belastungen verbunden sind. Von Klaus D. Schumilas

Felix ist der Glückliche. Der Vierjährige kann jeden Morgen in den Kindergarten gehen. Seine zwei Jahre alte Schwester Anna würde ihn gerne begleiten, doch im katholischen Kindergarten St. Josef gibt es für sie keinen Platz. Die Eltern, Monika und Jochen Lieske, haben ihre Jüngste für einen U3-Platz in Delhoven angemeldet, einen positiven Bescheid haben sie nicht erhalten, "noch nicht mal irgendeine Reaktion der Kita", sagt Monika Lieske enttäuscht.

Die Stadt hat der Familie einen Platz in einer Einrichtung in der Stadtmitte angeboten, doch das hilft der Delhovener Familie nicht weiter. Die 31 Jahre alter Mutter argumentiert so: "Ich müsste dann zwei Kinder zu zwei verschiedenen Orten bringen und dann nach Rommerskirchen fahren, weil ich dort wieder in den Beruf einsteigen möchte." Wichtiger ist auch dieser Gesichtspunkt für die junge Familie: "Wir sehen uns als Mitglied der Dorfgemeinschaft in Delhoven, bringen uns hier auch ein", sagt Monika Lieske. "Die Kinder sollen hier Freunde finden und damit geht es in der Kita los." Die Lieskes stehen nicht alleine da: "Wir haben binnen kurzer Zeit 25 Unterschriften gesammelt von Familien in Delhoven, die in einer ähnlichen Situation sind. Der Bedarf für mehr Kitaplätze ist vorhanden, das Angebot reicht einfach nicht aus." Wie die Kita St. Josef selbst die Situation beurteilt, war von deren Leiterin Renate Reinmann nicht zu erfahren: "Dazu gebe ich keine Auskunft", sagte sie und verwies auf die Kirchengemeinde. Auch von dort war auf Nachfrage keine Stellungnahme zu erhalten.

Zahl der Kinder in Kitas nach Bundesländern FOTO: dpa, Caroline Seidel

Die kleine Anna ist kein Einzelfall. Vor anderthalb Jahren wandten sich ebenfalls Eltern an die NGZ-Redaktion. Auch damals ärgerte es Eltern, dass ihr Kind keinen Kitaplatz im Ort bekam, obwohl ein älteres Geschwisterkind schon die Einrichtung besuchte. Bürgermeister Erik Lierenfeld, damals noch einfaches Ratsmitglied, richtete mit der SPD-Fraktion zur Versorgung der Stadtteile mit Kita-Plätzen eine Anfrage an die Verwaltung. Im Frühjahr vergangenen Jahres sprach die Fachfrau für die Kitaplätze im Rathaus, Elisabeth Gartz, von einem "Run auf U3-Plätze". Im August 2014 wurden dann 124 zusätzliche Plätze beschlossen, ab Oktober ist die Kita St. Josef um zwölf Plätze im U3-Bereich gewachsen. Im März meldete die Verwaltung: Alle Plätze in Delhoven, Rheinfeld und Gohr belegt.

Die Stadt kennt das Anliegen, "aber wir können den Wunsch der Familie leider nicht erfüllen", sagt Stadt-Sprecher Harald Schlimgen. "Das Angebot für einen Platz in Mitte steht." Ferner gebe es im Stadtgebiet noch freie Plätze im U3 und Ü3-Bereich. Jo Deußen (CDU) kennt als Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses das Thema. In der letzten Sitzung wurde deutlich, dass die vielen Kinder und Jugendliche aus Flüchtlingsfamilien Plätze in Kitas und Schulen benötigen. Die Rede war von (mindestens) drei Kita-Gruppen. Die helfen Monika und Jochen Lieske nicht. Sie setzen ihre Hoffnung auf den heutigen Tag. An dem haben sie im Rathaus ein Gespräch mit Bürgermeister Erik Lierenfeld.

Kita-Navigator: Das sagen die Politiker FOTO: Hans-Juergen Bauer
Quelle: NGZ
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