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Dormagen
Kitas: Integration von Flüchtlingen hakt noch

Dormagen. Jugendamt legt kritischen Zwischenbericht mit vielen Problemen vor. Aber es gelingt vieles, wenn Flüchtlingskinder früh die Kita besuchen. Von Klaus D. Schumilas

Wenn der kleine Hassan (Name geändert) um Viertel vor zehn Uhr in den Gruppenraum kommt, verdreht die Erzieherinnen die Augen. Schon wieder haben die Eltern offenbar nicht auf die Uhr gesehen und die übliche Bringzeit der Kinder für die Kita deutlich verpasst. Mangelnde Pünktlichkeit ist nur eines der Probleme, mit denen Erzieherinnen in den Dormagener Kindertagesstätten zu kämpfen haben. Erhebliche Sprachhürden kommen hinzu, wenn sie mit den Eltern der Flüchtlingskinder kommunizieren wollen. Was alles bei diesem Thema im Argen liegt, was aber auch schon läuft - dazu legte der städtische Fachbereich Kinder und Jugend der Politik einen ausführlichen Bericht vor. Der fällt dadurch auf, dass er nichts beschönigt.

"Als die ersten Kinder kamen, war es ein Riesenproblem", sagt Elisabeth Gartz aus dem Fachbereich. "Die Verunsicherung bei den Erzieherinnen war enorm." Dies hat sich inzwischen gelegt. Vieles ist besser geworden, aber längst nicht alles. 133 Flüchtlingskinder im Alter von null bis sechs Jahren leben in städtischen Unterkünften bzw. in von der Stadt angemieteten Wohnungen. Davon besuchen lediglich 43 eine Kita. "Allerdings wird der prozentuale Anteil höher, je älter die Kinder sind", sagt Gartz, "die unter Zweijährigen werden von den Eltern selten gebracht". Bei den Drei- bis Sechsjährigen besuchen 34 von 60 Kindern eine Einrichtung. Noch eine Zahl: Neben den 43 Kindern leben weitere 44 Flüchtlingskinder in einer regulären Wohnung, weil die Eltern beispielsweise eine Duldung vorweisen können. Sie sind ebenso in einer Kita angemeldet.

In Gesprächen mit den Einrichtungen im Stadtgebiet hat das Jugendamt festgestellt, dass "der Entwicklungsprozess durch Sprachbarrieren verzögert ist", sagt Fachbereichsleiterin Martina Hermann-Biert. "Die Eingewöhnung für die Kinder dauert länger und ist schwieriger." Auffallend sind Probleme im "Familiensystem", wie es die Experten formulieren: die Verständigung der Eltern mit ihrem Umfeld; kulturelle Unterschiede führen häufig zu Konflikten im Familiensystem; Pünktlichkeit hat in verschiedenen Kulturkreisen eine unterschiedliche Bedeutung; die Familien haben einen anderen Lebensrhythmus; fehlende Unterstützung bei Alltagsproblemen. Keine leichte Ausgangslage für die Erzieherinnen, wenn es um die Verständigung mit den Eltern über Erziehung geht oder um den Umgang mit traumatisierten Kindern. Michael Guderjahn, der die Kita Sonnenblume in Horrem leitet, kennt die Sorgen, auch mit der fehlenden Pünktlichkeit - "dort müssen wir dann immer nachhaken". Er sieht aber positive Tendenzen, vor allem bei den Kindern, die "offen und neugierig" sind und schnell Deutsch lernten. "Schwieriger ist es, Eltern an das deutsche Kita-System zu gewöhnen."

Im Jugendamt wird ganz offen ein Leitfaden der Zuständigkeiten bei diesem Thema vermisst, ebenso eine U3-Betreuung während die Eltern einen Sprachkursen belegen. Es gibt auch Positives: So gelingt in der Kita inzwischen die Integration der Kinder gut, auch ohne besondere Programme. Gelobt wird vor allem die Arbeit der Sozialarbeiter, die ebenso wie das Café Grenzenlos eine sehr gute Unterstützung sind.

Quelle: NGZ
 
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