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Dormagen
Kontroverse um Brandeinsatz in St. Peter

Großbrand in Spedition in Dormagen
Großbrand in Spedition in Dormagen FOTO: Stadt Dormagen
Dormagen. Nach dem Großfeuer in St. Peter von 2013 bleibt die Stadt bisher auf den Entsorgungskosten für das Löschwasser sitzen. Nun gibt es vereinzelt Kritik aus den Reihen der Feuerwehr an der Einsatzleitung. Die Stadt weist die Vorwürfe zurück. Von Klaus D. Schumilas

Der Einsatz beim Großfeuer in St. Peter, wo im April 2013 1000 Tonnen Braunkohlebriketts in der Lagerhalle der Spedition Bäumle brannten, wirft Fragen auf. Nach Informationen unserer Redaktion hat es zu Beginn des Einsatzes, bei dem über 90 Feuerwehrleute aus dem Rhein-Kreis im Einsatz waren, Auseinandersetzungen zwischen der damaligen Feuerwehrchefin Sabine Voss und Feuerwehrleuten vor Ort gegeben. Anlass war die unterschiedliche Auffassung über die Art und Weise, wie das Feuer bekämpft werden soll. "Dieser Einsatz war komplett daneben", sagte ein beteiligter Feuerwehrmann, der anonym bleiben möchte, "der Großbrand hätte durch ein anderes Vorgehen verhindert werden können. Aber Frau Voss hat ihr Ding auf Biegen und Brechen durchgezogen."

Die Stadt weist die Anschuldigung zurück: "Der Verwaltung liegen - auch nach Sichtung der umfangreichen Einsatzdokumentation - keine Hinweise darauf vor, dass bei dem Einsatz etwas ,schief gegangen' sein könnte", sagt Erster Beigeordneter Robert Krumbein auf Nachfrage. Eine Bekämpfung des Feuers von außen sei vorzuziehen gewesen, "um die Einsatzkräfte nicht zu gefährden. Insofern bestehen an der damaligen Entscheidung der Einsatzleitung keine Zweifel." Polizei und Brandursachenermittler hätten die Ursache untersucht, so Krumbein: "Es handelte sich um eine Selbstentzündung von Kohle."

Beim Eintreffen von Voss - die im Dezember 2015 wegen Konflikten in der Feuerwehr versetzt wurde und jetzt die neu eingerichtete Stabsstelle Sicherheit leitet - sollen Kollegen dabei gewesen sein, einen kleinen Brand in einer hinteren Ecke der Halle zu bekämpfen. Dort brannten "Abfall und Verpackungsmaterialien, aber noch keine Braunkohle", so der Feuerwehrmann. Voss habe die sofortige Räumung der Halle befohlen. "Das Tor sollte geschlossen und die Halle von oben mit Schaum geflutet werden. Aber das war übertrieben in dieser Frühphase. Es war ein Entstehungsbrand, der ruck-zuck unter Kontrolle gekommen wäre." Hinweisen der Dormagener Einsatzkräfte aus der Halle, ihnen noch 30 Minuten zu geben, dann sei der Brand gelöscht, sei Voss nicht gefolgt. Ebenso sei von etlichen Feuerwehrleuten vergeblich versucht worden, Voss von einem anderen Vorgehen zu überzeugen. "Das Feuer auf diese Art zu löschen, war fern unserer Ausbildung", sagte der erfahrene Feuerwehrmann. "Dann nahm die Schaumparty ihren Lauf."

Ein anderer Feuerwehrmann erzählt, dass er "die Kollegen, die von Beginn an dort waren, in einer emotionalen Situation" erlebt habe, weil diese "auf gutem Weg waren, den Brand in den Griff zu bekommen". Es wäre ein "guter Weg gewesen, die Halle leer zu fahren und die Paletten herauszuziehen".

Die Stadt widerspricht dieser Darstellung: "Die Kohlen brannten bereits über einen längeren Zeitraum - der Selbstentzündungsprozess dauert mehrere Tage. Ein Erreichen des Brandherdes in der Mitte der Halle bei acht Meter hohen eng gestapelten Palettenreihen war nicht möglich", so Krumbein. Die Weisungsbefugnis liege beim Einsatzleiter: "Da im Einsatzfall schnelles Handeln geboten ist, ist den Befehlen der verantwortlichen Einsatzleitung zu folgen."

Auf Nachfrage sagte Ex-Feuerwehrchefin Voss: "Ich gebe grundsätzlich keine dienstlichen Stellungnahmen ab." Kreisbrandmeister Norbert Lange, der nach eigenen Angaben erst später am Einsatzort eintraf, sagte: "Es gibt immer unterschiedliche Möglichkeiten der Brandbekämpfung. Frau Voss sagte mir, dass sie die Halle mit Schaum fluten will." Im Vordergrund habe offenbar, sagt er, die "Unversehrtheit der Einsatzkräfte" gestanden. Eine Alternative wäre, so Lange, "das Löschen des Feuers mit Wasser und das Herausziehen der Paletten gewesen".

Weil die Halle in sich nicht dicht war, breiteten sich große Mengen Schaum ungehindert aus. Bis die Feuerwehr den Brand unter Kontrolle hatte, flossen nach Angaben der Verwaltung rund 1300 Kubikmeter Löschwasser ins Kanalnetz. Die Entsorgungsgesellschaft Niederrhein pumpte das kontaminierte Löschwasser ab und transportierte es in eine Kläranlage in Krefeld. Am Ende stehen Entsorgungskosten in Höhe von 193.000 Euro, die bis heute nicht eingetrieben werden konnten, weil es laut der von der Stadt beauftragten Juristen keinen unmittelbaren Brandverursacher gibt. Eine Klage sei riskant, weil der Ausgang unklar und Kosten hoch seien.

Die Stadt erklärte, dass der Ablauf des Einsatzes für "möglicherweise bestehende Ersatzansprüche Dritter keine Rolle" spiele. Die Stadt verfüge über eine Haftpflicht- und eine Eigenschadensversicherung die eintrete, wenn Dritte bzw. die Stadt durch das Verhalten von Mitarbeitern geschädigt würden: "Ein solcher Fall ist hier nicht zu erkennen", so Krumbein.

Quelle: NGZ
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