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Dormagen
Kreis will bestmögliche Palliativmedizin

Dormagen. Mit der Unterzeichnung der "Charta zur Betreuung Sterbender" durch Landrat Hans-Jürgen Petrauschke stellt sich auch der Rhein-Kreis hinter deren Ziel, die Lebensqualität unheilbar kranker Menschen deutlich zu verbessern. Von Anneli Goebels

Geburtstag feiern im Krankenzimmer oder gar der Besuch von Haustieren? Im Kreiskrankenhaus in Hackenbroich ist das durchaus möglich - und zwar auf der Palliativstation. Die wurde 2011 eröffnet, war ein Jahr später von einer Schließung bedroht, da sie nicht mehr im Krankenhausplan des Landes vorgesehen war, und wurde schließlich von der Bezirksregierung doch wieder genehmigt.

Eine Station mit sieben Betten und einem umfangreichen Angebot für Menschen, die unheilbar erkrankt sind. Das Ziel: Ihr Leiden zu lindern und ihr Leben wieder lebenswert zu machen, formuliert Tobias Kretschmar, Leiter dieser Station und der Onkologie. "Es geht bei uns nicht um betreutes Sterben. Wir wollen, dass die Menschen mit ihren schweren Erkrankungen so gut es geht zu Hause weiter leben können", fährt der Mediziner fort. Für die sieben Betten gebe es eine lange Warteliste, wie Stationsleiterin Gisela Spreemann sagt. Denn - Entlassungsdruck ist dort nicht angesagt. Doch oft hätten die betroffenen Menschen und nicht selten auch ihre Angehörigen Angst, die behütete Atmosphäre des Krankenhauses zu verlassen, so Spreemann. "Dann kommen wir auch zu ihnen nach Hause und helfen, dass sie erkennen, dass sie zu Hause genauso gut zurechtkommen", sagt die Stationsleiterin.

Außerdem: In Dormagen gibt es mit dem 2014 gegründeten Palliativteam Dormagen (PTD), dem bereits seit 2007 bestehenden Netzwerk der allgemeinen ambulanten Palliativ-Versorgung (AAPV) sowie dem ambulantem Palliativ-Zentrum des Praxisnetzes Dormagen ein sehr gutes Angebot für die Patienten.

Mit der gestern im Kreiskrankenhaus von Landrat Petrauschke unterschriebenen "Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland", die 2013 bereits einstimmig vom Dormagener Stadtrat unterzeichnet worden war, betont nun auch der Rhein-Kreis ganz offiziell sein Engagement für die kranken Menschen und ihre Angehörigen. Ende des Monats möchte Krankenhausdirektor Ralf H. Nennhaus auch damit prüfen lassen, ob beide Kreiskrankenhäuser mit dem Deutschen Palliativsiegel ausgezeichnet werden können. Denn auch wenn das Grevenbroicher Krankenhaus keine Palliativstation hat, werden dort Patienten von entsprechenden Fachärzten und -personal betreut, darunter Dr. Angela Meyer. "Die Palliativmedizin wird ein immer breiteres Spektrum einnehmen", ist sich die Medizinerin sicher. Schon jetzt arbeiten Ärzte, Pflegepersonal, Physio- und Psychotherapeuten, Krankengymnasten, Ernährungsberater eng zusammen, um so den Patienten die bestmögliche Hilfe zukommen zu lassen. Und dabei, betont Meyer, dürften die Angehörigen nicht außer acht gelassen werden, die mit der Situation oft überfordert seien und auch Auszeiten bräuchten.

Dominique Voigt arbeitet seit sechs Jahren als Palliativ-Krankenschwester. Sie weiß: "Die Patienten sind für jeden Tag, den sie länger leben, dankbar."

Quelle: NGZ
 
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