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Catherine Shepherd
Krimi-Autorin träumt von Bestsellerliste

Catherine Shepherd: Krimi-Autorin träumt von Bestsellerliste
Ganz entspannt nach dem Urlaub: Katrin Schäfer, die unter dem Pseudonym Catherine Shepherd schreibt, mitten in ihrer Lieblingskulisse Zons. FOTO: A. Tinter
Dormagen. Die Zonser Krimi-Autorin Katrin Schäfer schreibt unter ihrem Pseudonym einen Bestseller nach dem anderen, die bei Amazon die Spitze der Download-Charts stürmen. Die Krimis spielen im Zons von vor 500 Jahren und in der Gegenwart.

Hallo Frau... Wie spreche ich Sie korrekterweise an?

Shepherd Sie können mich schon mit meinem richtigen Namen Katrin Schäfer ansprechen.

Ich bleibe für dieses Gespräch mal bei Catherine Shepherd, Ihrem Pseudonym, das ist für die Leser bekannter. Was ist Ihr Beweggrund, unter einem Pseudonym Ihre Bücher zu veröffentlichen?

Shepherd Katrin Schäfer klingt nicht gerade nach einer Thriller-Autorin. Die simple Übersetzung meines Namens hat mir gut gefallen. Einen Krimi von einer Katrin Schäfer hätte ich selbst nicht gekauft.

Also eine Frage des Marketings. Wie anonym leben Sie?

Shepherd Ich bemühe mich, mein Privatleben möglichst aus der Öffentlichkeit heraus zu halten.

Sie sind gelernte Wirtschaftswissenschaftlerin und Bankerin, offenbar eine gute Voraussetzung, um erfolgreich bluttriefende Krimis zu schreiben.

Shepherd Eigentlich wollte ich Malerei und Grafik studieren. Aber ich habe wohl immer schon eine düstere Neigung gehabt (lacht). Als Schülerin habe ich für Schulprojekte Fantasy-Geschichten geschrieben. Meine Eltern, Chemiker bzw. Medizinerin, haben mir nahe gelegt, etwas "Vernünftiges" zu studieren. Aber ich war irgendwie immer die Spinnerin in der Familie.

Mit welcher Berufsbezeichnung würden Sie sich eigentlich im Hotel eintragen?

Shepherd Bank-Angestellte. Aber vielleicht jetzt auch Autorin.

Doch Autorin?

Shepherd Ich habe lange gebraucht, bis ich mich selbst in der Rolle der Autorin gefunden habe. Dieser auslösende Moment war im Frühjahr 2014 bei der Buchmesse in Leipzig, als ich dort mit dem Buch "Kalter Zwilling" für den zweiten Platz in der Kategorie "Self-Publisher" ausgezeichnet wurde. Da wurde mir klar, dass es ein neuer Lebensabschnitt werden kann.

In weniger als einem Jahr ist Ihr Erstlingswerk "Der Puzzlemörder" 32.500 Mal gekauft worden. Platz eins der E-Book-Charts bei Amazon. Wie geht das?

Shepherd Die Vorteile des Internets mit der Möglichkeit, dort veröffentlichen zu können, haben sehr geholfen und mich auch gereizt, es zu tun. Das erste Cover habe ich mit Power Point gestaltet, dazu der Text, der als Word-Dokument bei Amazon hochgeladen wird - fertig.

Am Anfang war die Nachfrage bescheiden...

Shepherd Ja. Ich hatte drei Downloads von Freunden. Dann habe ich das Buch auf kostenlos gestellt, und am nächsten Tag war es auf Platz eins der Kostenlos-Charts. Dann habe ich wieder einen Preis eingestellt, und es war tags drauf auch bei den bezahlten Titeln auf Platz eins der Downloads.

Hatten Sie von Beginn an vor zu veröffentlichen?

Shepherd Das erste Buch war als Experiment geplant. Ich wollte mal einen Krimi mit historischem Touch schreiben. Diese Mischung gibt es so nicht. Ich habe mir die Geschichte so geschrieben, wie ich sie selbst gerne lesen würde. Ich habe dieses Buch für mich geschrieben...

...aber dennoch veröffentlicht...

Shepherd ...ja, um zu sehen, wie es ankommt. Aber nicht, um Autorin zu werden. Ich hatte die Geschichte sofort im Kopf, das Buch war in drei, vier Monaten fertig. Es war wie ein Flash im Kopf.

Sieben Bücher in vier Jahren - Sie produzieren wie am Fließband.

Shepherd Komplexität ist für mich kein Problem. Wer sich im Beruf mit "Basel II" befasst, für den ist so ein Krimi ein Kinderspiel (lacht).

Offenbar. Schreibblockaden scheinen Sie nicht zu kennen?

Shepherd Maximal für ein paar Stunden. Ich kenne den Anfang und das Ende. Vielleicht auch die Mitte. Der Rest der Geschichte kommt unterwegs auf mich zu.

Wie und wo kommen Sie auf solch blutige Ideen von abgeschnittenen Zungen, durchgeschnittenen Kehlen oder zugenähten Augen?

Shepherd In dem Roman "Der Sichelmörder von Zons" fiel mir einfach nicht ein, wie ich die Opfer umbringen könnte. Als ich mit Freundinnen in Roermond war, haben wir sehr trockenen Hähnchensalat gegessen, der mir förmlich im Hals steckenblieb - da bin ich auf die Idee mit der abgeschnittenen Zunge gekommen (schmunzelt). Dann habe ich in einer nebligen Nacht an einer bereits geschlossenen Tankstelle Lichter aufblenden gesehen und hatte den ersten Tatort. Die Idee mit den zugenähten Augen hatte meine Mutter (lacht).

Sechs Bücher spielen in Zons. Ist das nicht auserzählt?

Shepherd Nein. So lange die Leute es lesen wollen... Im Frühjahr erscheint der siebte Band mit dem Arbeitstitel "Tränentod", in dem ein Alchemist die Hauptrolle spielt.

Sie setzen nicht nur auf die Zons-Serie.

Shepherd Genau. Die "Krähenmutter" spielt in Berlin. Hauptperson ist LKA-Ermittlerin Laura Kern. Die neue oder dritte Serie dreht sich um eine Gerichtsmedizinerin aus Köln.

Sie haben Anfragen für Verfilmungen Ihrer Bücher?

Shepherd Ja. Aber ich bin da zurückhaltend. Es muss schon eine richtig gute Produktionsfirma sein, der ich vertrauen kann.

Gibt es für Sie eine schriftstellerische Herausforderung, ein "Literatur-Olympia"?

Shepherd Es auf die Spiegel-Bestsellerliste zu schaffen, das wäre ein Traum. Um Preise zu gewinnen, müsste ich das Genre hin zu ernsthafter Literatur wechseln.

Im nächsten Jahr steht zum Ende der Elternzeit eine Entscheidung an: zurück in die Bank oder auf die Karte Autorin zu setzen. Gibt es eine Tendenz?

Shepherd Das ist eine schwierige Entscheidung. Ich weiß es wirklich noch nicht...

KLAUS D. SCHUMILAS FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: NGZ
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