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Dormagen
Künstler verschenkt Werke zum Abschied

Dormagen: Künstler verschenkt Werke zum Abschied
Aufbruch mit 75: Künstler Klaus Winter, der 40 Jahre lang an der Mörikestraße in Zons wirkte, kehrt in seine Heimat in Rheinland-Pfalz zurück. FOTO: Lothar Berns
Dormagen. Klaus Winter verlässt Zons und kehrt nach Montabaur in Rheinland-Pfalz zurück, wo er aufgewachsen ist. Von Franziska Gräfe

Dass die Zeichen auf Aufbruch stehen, merkt jeder, der Klaus Winters Haus betritt. Im Flur stehen Kartons neben Kunstwerken. Die Spedition, die die Skulpturen des freischaffenden Bildhauers zu seinem neuen Wohnort Montabaur bringen wird, ist schon bestellt. "Verpacken werde ich aber alles selbst, damit es gut ankommt", sagt der 75-Jährige lächelnd.

Für Klaus Winter schließt sich mit der Rückkehr in die rheinland-pfälzische Schlossstadt ein Kreis. Dort ist er aufgewachsen, bevor es ihn der Arbeit halber ins Rheinland zog. Mit Klaus Winter kehrt ein Impulsgeber der Dormagener Kulturszene der Stadt den Rücken. Über 40 Jahre hatte der Diplom-Kaufmann in Diensten der Bayer AG an der Mörikestraße in Zons den Mittelpunkt seines künstlerischen Schaffens. Er gründete den Fachbereich Bildhauerei im Kunstverein Galerie-Werkstatt Knechtsteden und stand ihm bis 1992 vor.

Ortswechsel mit 75 Jahren: Künstler Klaus Winter, der 40 Jahre lang an der Mörikestraße in Zons verwurzelt war, kehrt in seine Heimat Rheinland-Pfalz zurück. FOTO: Lothar Berns

Jahre später schuf Winter im Auftrag der Stadt einen Gedenkstein als Geschenk an Dormagens israelische Partnerstadt Kiryat Ono. Das Werk steht dort im Ahidov-Park. Es symbolisiert mit zwölf weißen Säulen die Stämme Israels, darüber der Davidstern aus Eisen, gekrönt von einem zweieinhalb Tonnen schweren Stein mit winzigen Rubinsplittern.

Klaus Winter geht, aber er verschwindet nicht spurlos aus Dormagen. Teile seiner Kunst bleiben im öffentlichen Raum sichtbar, weil Winter sie verschenkt. Das Dormagener Stadtwappen aus Keramik etwa. Ein Mosaik aus zwölf Tafeln, montiert auf ein grünes Holztor, das einst zu einem Stall in Zons gehörte, hängt seit kurzem im Neuen Rathaus auf der Chefetage. Seine Skulptur des Juddeturms steht jetzt in der Tourist-Information an der Schloßstraße in Zons. Gleichwohl ist nur ein sehr kleiner Teil des Schaffens der Heimat gewidmet. Bekannt ist Klaus Winter eher für Skulpturen aus Stein, Eisen oder Holz, aus denen eine tiefgründige Auseinandersetzung mit universellen Themen des menschlichen Daseins spricht. Sie kreisen um Unterdrückung, Werden und Vergehen, das durch Maschinen künstlich verlängerbare Leben, um den Menschen, der seine naturgegebenen Grenzen sprengt und über den Erdball hinauszugreifen sucht. "AIDS" heißt eine Plastik, bei der bis ins Detail durchdachte Elemente alle Aspekte der Krankheit spiegeln: von der tödlichen Gefahr über den Ursprung des Virus beim Affen bis hin zur gesellschaftlichen Ächtung, unter der die Infizierten leiden.

"Hoffnung" hat Winter ein anderes betitelt, das in seiner Aussage heute aktueller ist denn je. Dargestellt sind Hände von Menschen verschiedener Hautfarbe, die aus einer Erdkugel wachsen und verzweifelt versuchen, eine mit Stacheldraht bewehrte Mauer zu überwinden. Das Kunstwerk ist nicht jetzt vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise, sondern vor exakt 30 Jahren entstanden. Geht es nach Klaus Winter, soll es in Dormagen bleiben - als Schenkung. "Es wäre schön, wenn es öffentlich ausgestellt wird, aber gerne gebe ich es auch in private Hände", meint der 75-Jährige.

Quelle: NGZ
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