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Dormagen
Kulturverein fährt nicht zur Erdogan-Demo

Dormagen: Kulturverein fährt nicht zur Erdogan-Demo
FOTO: Tinter Anja
Dormagen. "Wer nach Köln fährt, fährt privat", sagt der Vorsitzende, der viel Verständnis für den Präsidenten hat. Von Klaus D. Schumilas

Dursun Pekdemir nippt an seinem Glas Tee und sagt dann: "Die Türkei ist ein sehr demokratisches Land." Eine Schlüsselszene von vor zwei Wochen lässt den Vorsitzenden des Türkisch-Islamischen Kulturvereins zu dieser Einschätzung kommen. Er sah schlimme Bilder des Putsches, als Panzer über Menschen fuhren, aber auch, wie sich Bürger mutig, wie er sagt, vor Panzer stellten. "Das ist wahre Demokratie." Am morgigen Sonntag wird er nicht nach Köln fahren, um dort an der Sympathie-Kundgebung von Erdogan-Anhängern teilzunehmen. Ob das andere aus dem Vereins tun werden, wisse er nicht. "Es ist nichts organisiert. Wer fährt, der macht das privat." Auch habe es vom Dachverband DITIP keinerlei Aufforderungen in diese Richtung gegeben.

Mit hohem Interesse verfolgen er und die Moscheevereins-Mitglieder die Geschehnisse in ihrer Heimat. Das, was sie sehen, finden sie gut. Pekdemir: "Das Land ist jetzt in einem besseren Zustand als vorher. Es ist alles sehr positiv gelaufen." Nach eigener Aussage ist der 55-Jährige kein Anhänger des Präsidenten Erdogan "und auch nicht für die Einführung der Todesstrafe". Im Westen gibt es massive Kritik am Vorgehen des Staatspräsidenten. Pekdemir kann das nicht nachvollziehen: "Ich finde es richtig, was dort läuft."

Der Innenausbau in der Moschee wird der Schwerpunkt der Arbeiten sein, weil die Fassadenarbeiten bald abgeschlossen sind. FOTO: A. Tinter

Der Vorsitzende, der seit acht Jahren den Verein leitet, sieht in den Festnahmen und "Säuberungsaktionen" in Militärkreisen, Schulen, Verwaltungen oder Medien-Redaktionen einzig und allein ein Vorgehen gegen die Anhänger des geistlichen Oberhauptes der islamischen Gülen-Bewegung, Fethullah Gülen, der im Exil in den USA lebt. Von dort soll der Putsch-Versuch gesteuert worden sein. "Diese Anhänger haben viele Jahre ihr gutes Gesicht gezeigt und haben alle Lebensbereiche durchdrungen." Aber nach den Geschehnissen von vor zwei Wochen müsse "aufgeräumt" werden. Von außen betrachtet könne die aktuelle Situation vielleicht "undemokratisch und diktatorisch aussehen, von innen betrachtet sie es aber nicht".

Die Situation in der Moschee-Gemeinde beschreibt Pekdemir als heterogen. So gebe es unter den Mitgliedern auch "Graue Wölfe", also Anhänger der rechtsextremen türkischen Partei der nationalistischen Bewegung, ebenso Anhänger der kurdischen Arbeiterpartei PKK oder der Gülen-Bewegung. "Ich weiß das, aber ich verbiete niemandem, in die Moschee zum Beten zu kommen." Pekdemir sieht künftig eine "stärkere Demokratie als heute". Von einer Erdogan-Diktatur könne gar keine Rede sein: "Die Leute wählen ihn. Auch in Deutschland. Und wer kann Türken in Deutschland zu einer solchen Wahl zwingen?"

Quelle: NGZ
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