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Dormagen
Kurt Tucholsky - ein Mann, der die Frauen liebte

Dormagen. "Erst wollte ich mich dir in Keuschheit nahn. Die Kette schmolz. Ich bin doch schließlich, schließlich auch ein Mann, und nicht aus Holz." Nein, für die platonische Freundschaft mit den Damen ist er nicht geschaffen, dieser Kurt Tucholsky. Von Franziska Gräfe

Denn Tucholsky, leicht entflammbar und unstet, driftet in den letzten zwei Jahrzehnten seines kurzen Lebens von Frau zu Frau und schreibt vom Totenbett an seine zweite Ehefrau Mary, die er mehrfach verlassen hat, die späte Erkenntnis: "Hat einen Goldklumpen in der Hand gehabt und sich nach Rechenpfennigen gebückt...".

Heike Feist und Stefan Plepp beleuchten in ihrem Programm "Weiberheld! Mit Tucholsky im Bett" die weniger bekannte Seite Kurt Tucholskys und zeigen den Schriftsteller, Humoristen und politischen Mahner im Wechselspiel mit den Frauen seines Lebens. Rund 100 Zuschauer ließen sich in der Zonser Nordhalle auf das grandiose Spiel des Berliner Duos, eingeladen vom Verein der Freunde und Förderer des Kreismuseums, ein. Schmachtend, schmollend, sprudelnd gibt Heike Feist alle Damen in einer Person: Tucholskys Jugendfreundin und erste Ehefrau Else Weill, abgelegt 1918 für Mary Gerold, die er während seines Einsatzes als Kompanieschreiber in Lettland kennenlernt.

Dazu spätere Gefährtinnen wie Lisa Matthias oder Tucholskys enge Vertraute Gertrude Meyer. Stefan Plepp ist ein empfindsamer Tucholsky, der wortreich und ausdauernd um seine Auserwählte wirbt. Nicht Überdruss, eher die Suche nach Anerkennung und innere Zerrissenheit scheinen ihn zu treiben, er liebt stets mehrere Damen zur gleichen Zeit. Feist und Plepp legen viel Empathie in ihr mit sorgfältig ausgewählten Zitaten gespicktes Spiel. Am Ende bleibt beim Publikum keine Anklage für den Weiberhelden, kein mitleidiges Kopfschütteln für seine Frauen, die sich immer wieder rufen und fortschicken lassen. Was bleibt, ist Tucholskys im Gedicht "Für Mary" niedergeschriebene Erkenntnis: "Selten nur springt ein Funke von Blut zu Blut, bringt zur Entfaltung, was sonst in der Stille ruht - wir sind allein."

Mit ausgewählten Veranstaltungen wie dem Tucholsky-Abend bereichert der Förderverein des Kreismuseums dessen kulturelle Angebot. Oft kommen die Gastspiele durch Kontakte des Vorsitzenden Joachim Fischer zustande.

Quelle: NGZ
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