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Dormagen
Loriot für die Bühne - das reine Vergnügen

Dormagen: Loriot für die Bühne - das reine Vergnügen
Turbulenzen: Nicht nur der Loriot-Klassiker"Im Flugzeug" wurde von den Schauspielern überzeugend und witzig in Szene gesetzt. Foto: Georg Salzburg FOTO: Georg Salzburg
Dormagen. Dem Westfälischen Landestheater Castrop-Rauxel gelang die Übertragung der TV-Sketche in Knechtsteden vorzüglich. Von Hansgeorg Marzinkowski

Vicco von Bülow (1923 - 2011), nicht nur der Fernsehgemeinde besser bekannt als Loriot, war ganz sicher einer der vielseitigsten deutschen Humoristen. Seine Klischees über uns Deutsche, mit feinem Humor, meist überspitzt, oft mit subtiler Gesellschaftskritik versehen, gehören auch heute noch zu den hintersinnigen Bonmots, und doch so oft mitten aus dem Leben gegriffen. Seine Fernsehsketche auf die Bühne zu übertragen, ist eine Herausforderung. Das gelingt aber ganz vorzüglich dem Regisseur Gert Becker und seinem Team vom Westfälischen Landestheater Castrop-Rauxel bei einem Abend im Forum Knechtsteden.

Die Schauspieler Burghard Braun, Vesna Buljevic, Julia Gutjahr, Mike Kühne, Bülent Özdil und Guido Thurk stellen sich gleich zu Beginn in einem turbulenten Slapstick, in dem es um die bevorzugten Sitzplätze im Flieger geht, vor. Dann inszenieren sie in hohem Tempo und unterschiedlichen Einzelrollen Loriots bekannteste Sketche als "gesammelte Werke". Zu den absoluten Klassikern gehören Bello, der sprechende Hund, "Das Frühstücksei", "Der kaputte Fernseher", die Liebe im Büro zwischen Fräulein Dinkel (Vesna Buljevic) und ihrem Chef Herrn Melzer von der Europa-Trikotagen GmbH ("Renate, würden Sie für mich Ihr Haar lösen?") und natürlich das Badewannen-Erlebnis zwischen Herrn Müller-Lüdenscheidt (Burghard Braun) und Dr. Klöbner (Bülent Özdil) nebst Ente. Der Lottogewinner Lindemann (Guido Thurk) verwirrt am Ende mit "und im Herbst eröffnet dann der Papst mit meiner Tochter eine Herren-Boutique in Wuppertal".

Grandios die "Jodelschule" im Institut für modernes Jodeln, in dem das korrekte "zweite Futur bei Sonnenaufgang" vermittelt wird: "Holleri du dödl di, diri diri dudl dö!" Frau Hoppenstedt hat mit dem Kurs nach zwei Jahren endlich etwas Eigenes - nicht nur Küche, sondern Jodeldiplom. Zwei befreundete Ehepaare geraten beim "Kosakenzipfel", der Spezialität des Nobelrestaurants, heftig aneinander, die Frauen beschimpfen sich schließlich als "Jodelschnepfe" und "Winselstute" - ach was! Julia Gutjahr erreicht beinahe die im Jahr 2007 verstorbene legendäre Evelyn Hamann mit breitestem Englisch als Ansagerin der achten Folge des sechzehnteiligen Fernsehkrimis "Die zwei Cousinen".

Das unterhaltsame Vergnügen reiht sich Schlag auf Schlag aneinander dank Drehbühne und achtköpfigem Team hinter der Bühne für Ausstattung, Maske, Requisite und Garderobe. Zugleich war dieser Abend eine Zäsur, über die in der Pause der Dormagener Kulturamtsleiter Olaf Moll und Robert Menzel, beim Norbert-Gymnasium seit 30 Jahren für die Kulturreihe verantwortlich, informierten. Beide werden in Zukunft eng zusammenarbeiten, die Comedy-Abende gibt es überwiegend in der Kulle, Theaterabende in Knechtsteden. "Aber das Wir-Gefühl des Norbert-Gymnasiums mit seinem angenehmen Flair durch Spitzenservice bleibt erhalten", versichert Lehrer Menzel.

Quelle: NGZ
 
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