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Dormagen
Mehr Hilfe für Suchtkranke am Bahnhof

Dormagen: Mehr Hilfe für Suchtkranke am Bahnhof
Wer von der Knechtstedener Straße aus die Unterführung zu den Bahnhofsgleisen betritt, traf in den vergangenen Monaten immer wieder auf Gruppen von Suchtkranken, die pöbelten. Polizei und Ordnungsamt schritten ein. FOTO: L. Berns
Dormagen. Vor drei Monaten beschwerten sich Anwohner über Trinkgelage an der Knechtstedener Straße. Ordnungsamt und Polizei kontrollieren seither verstärkt. Ein Arbeitskreis "Sucht-Hilfe" will Teilnehmern des Methadon-Programms helfen. Von Carina Wernig

Beschwerden von Anwohnern über ausufernde Trinkgelage an der Bahnhof-Rückseite haben gefruchtet. Vor drei Monaten hatten sich 13 Horremer um Jürgen Vogt schriftlich an Bürgermeister Erik Lierenfeld gewandt und die Stadt um Hilfe gebeten: Eine Gruppe alkoholisierter Männer und Frauen, die sich vor allem an der Westseite des Bahnhofs an der Knechtstedener Straße zu Trinkgelagen treffen, habe randaliert, geschrien und dort ihre Notdurft verrichtet, wie Vogt ausführte. Es handelte sich um Teilnehmer eines Methadon-Programmes als Drogenausstiegshilfe.

Die Lage zwischen Bahnhof und Arztpraxis an der Emdener Straße im Top-West-Gewerbegebiet hat sich insgesamt entspannt, wie Ordnungsamtsleiter Holger Burdag gestern auf Nachfrage der NGZ erklärte: "Die Maßnahmen von Polizei und Ordnungsamt haben Wirkung gezeigt", sagt Burdag: "Wir haben die Teilnehmer um Rücksicht gebeten und Platzverweise bei nicht zu duldendem Verhalten ausgesprochen." So auch jetzt am Mittwoch, als zwei neue Teilnehmer des Programms in die Schranken verwiesen werden mussten. Die Beschwerden von Anwohnern insgesamt sind zurückgegangen, so Burdag: "Wir haben den Bereich mit den Methadon-Programm-Teilnehmern nahezu täglich im Blick."

Die verstärkte Kontrolle durch die Ordnungskräfte ist die eine Seite, unterstützende Maßnahmen für die Süchtigen die andere. So soll ein neuer Arbeitskreis "Sucht-Hilfe" den Süchtigen helfen, wieder einen Einstieg in ein geordnetes Leben, einen Beruf und die Gesellschaft zu finden. Bei ersten Gesprächen waren unter anderem der behandelnde Arzt sowie Vertreter der Stadt Dormagen, des Rhein-Kreises Neuss mit dem sozialpsychologischen Dienst, des Caritasverbandes, der AHG-Suchtklinik, der Drogenberatungsstelle, des Jobcenters und der SPD beteiligt. Deren sozialpolitischer Sprecher, Michael Dries, erläuterte: "Wir wollen die Suchtkranken erreichen und etwas für sie tun." Bei weiteren Treffen sollen Lösungsansätze diskutiert werden - "dazu möchten wir gern auch andere beteiligen, die mithelfen möchten, die Lage für diese Menschen zu verbessern", betont Dries, der sich für eine langfristige Lösung einsetzt, bei der der Arzt miteinbezogen werde. Dabei geht es auch um die Wiederbelebung des Netzwerks "Suchtprävention".

Bereits im April hatte Stadt-Pressesprecher Harald Schlimgen ausgeführt, dass im Rathaus intensiv an Lösungsmöglichkeiten zugunsten aller Beteiligten gearbeitet werde: "Es macht keinen Sinn, die Gruppe lediglich an andere Orte zu vertreiben." Die CDU-Fraktion hatte in einer Anfrage an den Rat im April darum gebeten, die Situation zu entschärfen und die Sicherheit zu verbessern, nachdem sich die Anwohner über mangelnden Respekt, Schreie und Pöbeleien durch die Trinkgelage beklagt hatten.

Ärger und Ängste der Bewohner und Fahrgäste seien nachvollziehbar, hatte Bürgermeister Erik Lierenfeld in der April-Sitzung des Stadtrates erklärt. "Das Problem der Belästigung muss gelöst werden", sagte Lierenfeld, der auf stärkeren Dialog setzte. Er hatte angekündigt, dass Polizei und Ordnungsamt die Sicherheit verbessern wollten, ohne die Gruppe nur vom Bahnhof fern zu halten: "Wir kümmern uns weiter um eine Gesamt-Lösung."

Quelle: NGZ
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