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Dormagen
Methadon-Arzt sucht Praxis

Dormagen. Dr. Paul Klüger will eine Praxis für suchtmedizinische Behandlung von Drogenabhängigen eröffnen. Die nötige Zusatzausbildung hat er, auch Hausärzte und Stadt sehen die Pläne positiv. Nur Räume findet der Mediziner nicht. Von Ellen Schlütter und Stephanie Lichius-Engels

Dr. Paul Klüger gibt nicht auf. "Irgendwann zahlt sich Hartnäckigkeit und Geduld aus", sagt der Mediziner. Er ist auf der Suche nach einem passenden Raum für seine Praxis – mittlerweile seit mehr als einem Jahr. Das sollte doch nicht so schwierig sein, mag mancher denken. Doch Dr. Klüger möchte eine Praxis für die Methadon-Therapie eröffnen – doch vermieten will ihm bislang keiner etwas.

Bevor eine Praxis für die suchtmedizinische Behandlung von Opiatabhängigen von der Kassenärztlichen Vereinigung zugelassen wird, muss der Mediziner, der zuvor eine Zusatz-Ausbildung absolviert hat, den Bedarf nachweisen. Der ist da, daran hat Anästhesist Klüger keinen Zweifel. Auch wenn die Zahlen der Polizei zu Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz relativ harmlos klingen – 91 Drogendelikte gab es im Jahr 2008 insgesamt, darunter vier Kokain- und ein Heroinfall –, sehen die niedergelassenen Ärzte im Stadtgebiet offenbar den Bedarf an der Substitutionstherapie, wie es das Praxisnetz – ein Zusammenschluss von 65 Ärzten – kürzlich feststellte. Bislang müssen Patienten nach Grevenbroich, Neuss oder in den Kölner Norden fahren. "Diese weiten Strecken nehmen viele gar nicht auf sich und haben so nicht die Chance von Drogen loszukommen", sagt er. Für die Zulassung braucht es eben auch Räume. Trotz der fehlenden Praxis hat er die nötigen Kontakte zum Psycho-Sozialen Dienst, den umliegenden Suchtkliniken bereits geknüpft – "das kann man als Einzelkämpfer nicht schaffen", weiß er. Die Stadt ist einer solchen Methadon-Praxis positiv gesinnt. "Das Vorhaben ist auf jeden Fall begrüßenswert", sagt Jugendschutzbeauftragter Klaus Güdelhöfer. Doch wohin soll die Praxis? Zunächst hat der Mediziner bei den sozialen Einrichtungen der Kirchen nachgefragt – nur Absagen. "Die Akzeptanz ist einfach nicht so da", meint der 56-Jährige. Verärgert ist er nicht. "Ich kann es ja sogar verstehen", sagt der Mediziner. Das Klientel sei eben nicht immer einfach, auch gebe es immer wieder Fälle, in denen solche Orte zum Dealen genutzt würden. "Nicht alle Patienten meinen es mit der Ersatztherapie ernst." In Köln nutzt ein Suchtmediziner Räume im Gesundheitsamt – daran hat Klüger auch schon gedacht. In Dormagen sei das aber nicht möglich. Die Suche nach privat vermieteten Räumen blieb bislang erfolglos. Mindestens zwei Räume und eine Toilette in zentraler Lage, damit die Praxis gut zu erreichen ist, braucht es. Klüger ist noch zuversichtlich, irgendwann Räume zu finden."

Quelle: NGZ
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