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Dormagen
Migrantinnen zeigen im Museum ihre Kreativität

Dormagen. Die Zonser Einrichtung, Stadt, Kreis und Ehrenamtler öffneten einer großen Gruppe von Frauen und ihren Kindern die Tür zur Kunst. Von Stefan Schneider

Das ist selbst im für seine außergewöhnlichen Ausstellungen bekannten Kreismuseum Zons ein Bild, das staunen lässt. Die meisten der 17 Frauen, die dort im großen Saal der Einrichtung an einem langen Tisch nebeneinander sitzen und Stofftaschen gestalten und bemalen, tragen ein Kopftuch.

Die Migrantinnen, die mit einem SVGD-Bus gekommen sind und teils von ehrenamtlichen Patinnen begleitet werden, sind einer Einladung von Museumsleiterin Angelika Riemann und den Gleichstellungsbeauftragten von Kreis und Stadt, Ulrike Kreuels und Ingrid Fleckenstein, gefolgt; auch Bärbel Breuer vom Dormagener Büro für bürgerschaftliches Engagement ist mit im Boot. Die Gastgeberinnen öffnen den Besucherinnen die Tür zur Kunst. Anlass ist der Internationale Frauentag. Eines der Ziele: den Migrantinnen Impulse geben für eine sinnvolle Beschäftigung. Denn vielen fehlt derzeit die Tagesstruktur.

Für Museumsleiterin Riemann, die die Idee zu der Aktion hatte, begann der Abend mit einer Überraschung. 30 Minuten wollte sie die Frauen aus so unterschiedlichen Herkunftsländern wie Eritrea, Nigeria, Syrien, Afghanistan und Albanien durch die aktuelle Ausstellung Quilt-Triennale führen, doch dann wurde eine ganze Stunde daraus. "Es war absolut faszinierend. Das Interesse der Frauen war viel größer als vermutet. Die Teilnehmerinnen haben mir klar gemacht, dass sie textile Traditionen kennen", berichtete Riemann, die ihre Ausführungen unkonventionell teils auf Deutsch, teils auf Englisch oder einfach mit den Händen machte.

Der positive Eindruck setzte sich danach beim Workshop mit der aus der Türkei stammenden Schneidermeisterin Ayfer Ballicalioglu, die seit 43 Jahren in Dormagen lebt, fort. "Hier ist unheimlich viel Potenzial", stellte Angelika Riemann fest. Und Anna Karina Hahn, die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Museums, bereute, dass sie nicht bequeme Turnschuhe angezogen hatte. Sie legte beträchtliche Strecken zurück, um von Wasserbechern für die Pinsel bis hin zu Wäscheklammern alles heranzuschaffen, was die kreativen Migrantinnen benötigten.

Weil sich die Ergebnisse des Stofftaschen-Gestaltens durch die Bank sehen lassen konnten, äußerte Bärbel Breuer vom Büro für bürgerschaftliches Engagement die Idee, dass sich die Frauen auf diese Weise sogar ein finanzielles Zubrot verdienen könnten. Die Preise, die in Europa für Kunst oder Kunsthandwerk gezahlt werden, hatten sie erheblich in Erstaunen versetzt.

Zu den jüngsten Teilnehmerinnen gehörten Farida (16) und Faeeqa (17) aus Afghanistan, die mit ihrer Patin Gunda Staacke gekommen waren und schon etwas Deutsch sprechen. Farida hat zwar vor allem Spaß an Basketball und Seilspringen, kann aber auch Malen etwas abgewinnen. Und Faeeqa hat Spaß am Nähen. Noch mangele es ihnen an deutschen Freunden und ihre Mutter habe oft Heimweh, erzählen sie. Doch die ersten wichtigen Schritte zu einer erfolgreichen Integration sind getan. Seit November hat die Familie eine eigene Wohnung in Nievenheim.

Quelle: NGZ
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